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"Mein persönliches Highlight: Die Aussicht!"

Kira Stork, Schornsteinfegerin

Eine Schornsteinfegerin reinigt einen Schornstein

Schon mit 14 Jahren war für Kira Stork klar, sie möchte auf dem Dach arbeiten. Nach einem Praktikum in einem Schornsteinfegebetrieb entschied sie sich zu einer Ausbildung als Schornsteinfegerin bei Christian Schlingmann in Bielefeld. Der Girls'Day hatte ihr vorab schon gezeigt: "Ich bin definitiv fürs Handwerk gemacht."

Girls'Day: Warum hast du dich für deinen Ausbildungsberuf entschieden?
Kira Stork: Ich bin mit ungefähr 14 Jahren mal auf ein Dach geklettert und war unglaublich fasziniert von der Aussicht. Dann habe ich kurzerhand entschieden, dass ich dort arbeiten möchte. Mit 14 war ich nicht so informiert über die Berufe an sich und wollte erst einmal Dachdeckerin werden. Mein Vater hat mich dann aber auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und mir mit drei Dachpfannen gezeigt, dass das harte Arbeit ist, und ganz so schwer wollte ich dann doch nicht tragen. Dann habe ich auf seinen Rat hin ein Praktikum bei unserem Schornsteinfeger gemacht und fand es einfach nur toll.

Hast du dich schon vor dem Girls'Day für diesen Bereich interessiert? Und welche Rolle spielte der Girls'Day bei deiner Berufswahl?
Beim Girls'Day habe ich generell noch nicht ganz gewusst, wohin mit mir. Allerdings kam dort der Gedanke das erste Mal auf, einen handwerklichen Beruf auszuprobieren. Somit hat mich der Girls'Day quasi in die richtige Richtung gelenkt. Ich habe gemerkt, dass ich definitiv für das Handwerk gemacht bin und mir das auch Spaß macht.

Bist du auch auf Schwierigkeiten gestoßen vor oder während deiner Ausbildung?
Klar, man hat nicht so viel Erfahrung wie nach drei Jahren Ausbildung und muss auch ab und zu mal unschöne Dinge tun. Aber im Großen und Ganzen konnte ich alle anfänglichen Schwierigkeiten durch die Ausbildung lösen. Ab und zu liegen tote Vögel und vor allem Tauben in den Schornsteinen. Die müssen entfernt werden und da habe ich mich am Anfang sehr vor gescheut. Heute finde ich es immer noch traurig, wenn ein Tier so umgekommen ist, habe aber keine Probleme mehr damit, sie herauszunehmen.

Was findest du an deinem Beruf interessant? Was sind die Vor- und Nachteile des Berufs?
Interessant finde ich die Gespräche mit den Kundinnen und Kunden. Ich erfahre viel von ihnen, da ich jedes Jahr mindestens einmal dort bin und nicht nur arbeite, sondern oft auch eine Art Zuhörerin oder Seelsorgerin für die Menschen bin. Manche Menschen haben sonst selten Besuch oder freuen sich einfach, wenn man vorbeikommt. Die Nachteile sind jedoch, dass die Arbeit häufig sehr dreckig ist. Ich habe z. B. oft Ruß in den Haarspitzen, der dann auch nicht so leicht wieder rausgeht. Außerdem verdient man als Auzubi leider immer noch sehr wenig und die Berufsschule ist in Gelsenkirchen. Vorteile sind nicht nur der schöne Kontakt zu den Kundinnen und Kunden, sondern auch die familiäre Art mit den Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Die Aktionen, die wir erleben, die Sage mit dem "Glück bringen", die Gewerkschaft (ZDS), die sich wirklich gut für uns einsetzt, der Lohn (nach der Ausbildung) und mein persönliches Highlight: Die Aussicht!

Gibt es weitere Frauen in deiner Position?
Es gibt sogar viele Frauen, die Schornsteinfegerin sind. Jedes Jahr gibt es einen Schornsteinfegerinnen-Kalender mit Bildern von Schornsteinfegerinnen bei der Arbeit. Außerdem hatte ich in meiner Berufsschulklasse noch eine Freundin unter 14 Männern.

Welche Erfahrungen hast du in deinem Beruf mit männlichen Kollegen gemacht?
Bisher nur positive. Die Kollegen sind uns positiv gesinnt und finden es gut, dass auch Frauen sich immer öfter trauen, diese Ausbildung zu machen. Auch die Kundinnen und Kunden sind fast durchgehend begeistert, wenn da plötzlich eine Frau als Schornsteinfegerin vor der Tür steht.

Welche Voraussetzungen muss man deiner Einschätzung nach für den Beruf mitbringen?
Also man sollte auf jeden Fall schwindelfrei sein, da man häufig auf die Dächer muss. Außerdem sollte man kein Problem damit haben, dreckig zu werden oder auch mal einer Spinne und anderen Kriechtieren zu begegnen. Man sollte offen für Kundschaftsgespräche sein und auch ein bisschen Small Talk halten können und interessiert an Umweltschutz und Technik sein. In der Schule wären Physik, Chemie und Mathe hilfreich. Ich persönlich konnte alles nicht super, bin aber in der Berufsschule gut mitgekommen.

Wie bewertest du die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in deinem Beruf bzw. Berufsfeld?
Grundsätzlich finde ich die Arbeitszeiten sehr gut. Bei uns gibt es eigentlich keine Überstunden, die Zeiten sind sehr festgesetzt und nur ausnahmsweise arbeite ich mal länger oder fange eher an. Außerdem bin ich nach der Arbeit wirklich in der Freizeit und muss nicht von zu Hause aus schnell noch die ein oder andere Arbeit erledigen. Als selbstständige Schornsteinfegerin sieht das dann wieder anders aus, da muss man immer abrufbereit sein, falls ein Schornsteinbrand oder ein anderer Notfall entsteht. Und auch zu Hause kümmert man sich dann eher um Büroarbeiten.

Welche Aktionen hältst du z.B. in Schulen und Betrieben für sinnvoll, damit mehr junge Frauen einen Beruf im Handwerk wählen?
Ich finde es grundsätzlich wichtig, dass unser Handwerk die neuen Medien nutzt und so auf sich aufmerksam macht. Der ein oder andere Beitrag im Fernsehen ist sicher hilfreich, wichtiger finde ich aber Präsenz auf Instagram und Facebook. Ich durfte auf der Instagram-Seite der Handwerkskammer OWL meinen Beruf vorstellen und mit kurzen Videos meinen gesamten Arbeitsalltag schildern. So etwas halte ich für sinnvoll, um Schülerinnen und potenzielle Azubis für unser Handwerk zu erreichen.

Was wünschst du dir für die Zukunft? Welche Pläne hast du für deine weitere Berufslaufbahn?
Ich wünsche mir weiterhin so nette Kundschaft, dass ich den Spaß an meinem Beruf nicht verliere und dass dieser Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen auch mit den neuen Generationen nicht verloren geht. Beruflich möchte ich mich zur Schornsteinfegemeisterin weiterbilden. Das langfristige Ziel ist dann, auf jeden Fall einen eigenen Bezirk zu bekommen und selbstständig zu sein.

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