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Mädchen für technische Berufe begeistern

Eine Frau steht vor einer großen Maschine

Die Josef Gartner GmbH aus Gundelfingen hat sich 2008 das erste Mal am Girls'Day beteiligt und stellt in diesem Jahr eine Auszubildende Konstruktionsmechanikerin ein, die den Beruf beim Mädchen-Zukunftstag kennengelernt hat. Aktuell beschäftigt Gartner mehr als 62 Auszubildende – davon 14 Mädchen. Sarah Kolb ist als Personalreferentin die Ansprechpartnerin für alle Ausbildungsthemen und freut sich, auch dieses Jahr wieder Mädchen für technische Berufe begeistern zu können.

Girls'Day: Was hat bei Ihnen das Interesse geweckt, sich am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu beteiligen?

Sarah Kolb: Wir sind davon überzeugt, dass Mädchen genauso erfolgreich in technischen Berufen sein können wie ihre männlichen Zeitgenossen. Jetzt heißt es nur noch, sie eben genau für diese Berufe zu begeistern und ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt. Außerdem wünschen wir uns natürlich, dass wir mehr Bewerberinnen generieren können. Insgesamt stellen wir pro Jahr 24 Azubis ein. Industriekaufleute, technische Systemplaner und Konstruktionsmechaniker – die Frauenquote liegt bei den technischen Systemplanern bei 34% und bei den Konstruktionsmechanikern bei 6% und ist daher ausbaubar. Vor allem bei den Konstruktionsmechanikern wollen wir einen höheren Anteil von Mädchen. Die Erfahrung zeigt, dass Mädchen nicht nur genauer arbeiten, sondern auch die Gruppendynamik positiv beeinflussen. Die Veranstaltung richten wir nun zum achten Mal aus und freuen uns, das Konzept weiterführen zu können. Es ist schön, dass wir auch intern immer wieder Anmeldungen von Töchtern der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bekommen.

Wie groß ist die Veranstaltung, die Sie organisieren wollen? Haben Sie Ihr Angebot auf eine bestimmte Altersgruppe oder Schulform abgestimmt?

Wir haben uns nicht auf eine bestimmte Schulform spezialisiert. Auch beim Alter gibt es keine strengen Vorgaben. Ideal sind allerdings Teilnehmerinnen ab ca. 15 Jahren. Der Tag ist dann so organisiert, dass insgesamt 20 Mädchen die Chance bekommen, in unsere Berufe zu schnuppern. Dabei sind es zehn im gewerblichen, also fertigungsnahen, und zehn im technischen Bereich.

Wie haben Sie Ihr Angebot gestaltet? Was erwarten Sie von dem Tag?

Wenn die Mädchen im Gundelfingener Werk ankommen, werden Sie zunächst durch die Auszubildenden, die sie an diesem Tag begleiten, und die Ausbilder begrüßt. Nach einigen kurzen Einblicken in die Unternehmensgeschichte und unsere Produkte und Projekte, geht es zum praktischen Teil über. In unserer Lehrwerkstatt dürfen die Mädchen ein kleines Arbeitsstück herstellen, das sie auch mit nach Hause nehmen dürfen. Im Beruf der technischen Systemplanerin dürfen die Mädchen Zeichenübungen am Brett und am PC machen. Das Schöne ist, dass die Mädchen von Azubis angeleitet werden. Das heißt, sie bekommen viele Infos direkt aus erster Hand und können sich so auch besser identifizieren. Es macht ihnen auch einfach mehr Spaß! Die Erfahrung zeigt, dass alle Beteiligten sehr neugierig sind und erkennen, wie spannend die technische Welt sein kann. Wir erwarten von diesem Tag, dass die Mädchen eine interessante Einführung in unsere Berufe erhalten und natürlich, dass sich daraus auch die ein oder andere Bewerbung ergibt. Zuletzt konnten wir in diesem Jahr auch eine Azubine einstellen, die uns über den Girls'Day kennengelernt hat. Das ist natürlich eine Erfolgsgeschichte.

Wer ist an den Vorbereitungen zum Girls'Day in Ihrem Betrieb beteiligt und ab wann haben Sie mit der Organisation angefangen?

Bei uns organisiert die Personalabteilung den Girls'Day. Aber natürlich sind dann weitere Bereiche wie die Lehrwerkstatt involviert. Gerade wenn es dann darum geht, welche praktische Arbeit dieses Jahr erledigt werden soll oder wer die Werksführung übernimmt, übernehmen die Ausbilder einen Großteil der Vorbereitungen. Anmelden kann man sich von Beginn des Jahres an und konkret organsiert wird der Tag dann zwei bis vier Wochen vorher. Dabei kontaktieren wir auch die Schulen im Umkreis und informieren sie über die Teilnahmemöglichkeit in unserem Unternehmen.

Wie sollen die Mädchen von Ihrem Angebot erfahren? Ist es eine offene oder geschlossene Veranstaltung? Gibt es eine Zusammenarbeit mit Schulen oder anderen Einrichtungen?

Wir informieren die eigene Belegschaft über Aushänge, legen Flyer an unserer Pforte aus und schreiben die Schulen im Umkreis an. Außerdem nutzen wir noch unsere online Aktivitäten und natürlich die Homepage vom Girls'Day selbst. 

Sind Sie sich an einem regionalen Arbeitskreis des Girls'Day beteiligt oder arbeiten Sie mit einem regionalen Arbeitskreis zusammen?

Den Girls'Day organisieren wird als Unternehmen selbständig, aber wir sind Mitglied im regionalen Ausbilderkreis und dort tauscht man sich natürlich auch aus.

Wann würden Sie den Girls'Day als erfolgreich bewerten?

Der Girls'Day ist erfolgreich, wenn wir möglichst viele Teilnehmerinnen für einen technischen Beruf begeistern konnten. Außerdem möchten wir natürlich unsere Bekanntheit als Unternehmen steigern – wenn, wie bereits erwähnt, ein oder zwei Bewerberinnen zum Girls'Day für eine Bewerbung animiert werden konnten und am Ende noch eine Einstellung erfolgt, dann können wir von einem echten Erfolg sprechen.

Welche Impulse bringt der Girls'Day für Ihren Betrieb?

Das Thema "Frauen in technischen Berufen" rückt natürlich durch diese Art der Veranstaltungen kurzfristig in den Aufmerksamkeitsbereich vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, so dass auch diese für dieses Thema weiter sensibilisiert werden. Wir haben bisher sehr positive Erfahrungen gemacht und allein der Fakt, dass auch Beschäftigte ihre Töchter anmelden, bestätigt, dass dieser Tag eine gute Sache für das gesamte Unternehmen ist.

Haben Sie einen Tipp für ein Unternehmen/eine Institution, das/die sich erstmalig am Girls'Day beteiligt?

Ich denke, es ist wichtig, dass die Mädchen nicht nur zum Zuschauen in den Betrieb kommen, sondern selbst handwerklich tätig werden können. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmerinnen es wirklich schön finden, wenn sie von den Azubis selbst an diesem Tag betreut werden.

Liebe Frau Kolb, vielen Dank für das Gespräch.

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