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Gefragt ist ein kluges Köpfchen

Portrait von Jochen Wrede

Die Reifenhaus Caspar Wrede GmbH beteiligte sich 2012 erstmalig offiziell am Girls'Day. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Kinder von Beschäftigten, die im Rahmen des Mädchen-Zukunftstages den Arbeitsplatz ihrer Eltern kennengelernt haben. Die Mädchen sollen den PKW-/LKW-Reifenbereich, KFZ-Mechanik-Bereich und auch den Autoteileverkauf kennenlernen. Geschäftsführer Jochen Wrede will den Mädchen an diesem Tag vor allem ermöglichen, selbst mit Hand anzulegen. Weibliche Auszubildende gibt es im Reifenhaus Wrede derzeit noch nicht, aber mehrere Frauen, die ihre kaufmännischen Aufgaben mit technischen verbinden. Jochen Wrede ist es sehr wichtig, dass die Mädchen in den Pausenzeiten auch das gesamte Team kennenlernen und mit den Frauen im Betrieb Kontakt bekommen.

Girls'Day: Herr Wrede, was hat bei Ihnen das Interesse geweckt, sich am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu beteiligen?
Jochen Wrede: Wir bilden gleich in mehreren technischen Berufen aus und zwar zur Mechanikerin für Reifen und Vulkanisationstechnik und zur KFZ-Mechatronikerin. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Frauen, die bereits in unserem Unternehmen arbeiten, einen guten Einfluss auf das gesamte Team haben. Auch deshalb würden wir einfach gern mehr Frauen einstellen. Wir wissen, dass wegen der technischen Hilfsmittel in unserem technischen Bereich Muskelkraft viel weniger gefragt ist als „ein kluges Köpfchen“. Dieses ist aber allgemein wenig bekannt, zudem sind unsere Ausbildungsberufe per se wenig bekannt. Mit unserer Beteiligung am Girls’Day erhoffen wir uns zunächst einfach einmal mehr Aufmerksamkeit für unsere beruflichen Möglichkeiten.

Wie groß ist die Veranstaltung, die Sie organisieren wollen? Haben Sie Ihr Angebot auf eine bestimmte Altersgruppe oder Schulform abgestimmt?
Wir bieten bei unserem Start drei Plätze an einem unserer Standorte in Münster an. Wir wollen die Mädchen gut betreuen und erst einmal Erfahrungen mit dem Girls'Day machen. Es kann gut sein, dass wir zukünftig dann auch an unseren anderen Standorten im Münsterland Plätze anbieten.

Wir haben das Angebot nicht auf eine bestimmte Altersgruppe oder Schulform begrenzt. Wir sind überzeugt, dass wir nicht früh genug damit anfangen können, junge Menschen für unser Handwerk zu begeistern. Wegen unserer verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten möchten wir uns auch nicht auf eine bestimmte Schulform beschränken, obwohl wir wissen, dass die Jugendlichen für unsere Beruf schon ein kluges Köpfchen mitbringen müssen. Gerade im KFZ-Mechatronik-Bereich wird dieses häufig von den jungen Menschen völlig unterschätzt.

Wie haben Sie Ihr Angebot gestaltet? Was erwarten Sie von dem Tag?
Wir werden den Mädchen verschiedene Bereiche zeigen: Den PKW- und wenn sie wollen auch den LKW-Reifenbereich. Wir bieten den Mädchen an, in unsere KFZ-Mechanik-Werkstatt hineinzuschnuppern und beim Verkauf von Autoteilen mitzumachen. Wir achten darauf, dass die Mädchen selbst mitmachen können und nicht nur zuschauen. Sie können beispielsweise einen Reifen vulkanisieren oder auswuchten, die Räder am PKW an- und abmontieren oder im technischen Verkauf die Telefonate annehmen und weiterleiten.

Wer ist an den Vorbereitungen zum Girls’Day in Ihrem Betrieb beteiligt und ab wann sind Sie mit der Organisation angefangen?
Die Organisation wird von unserem Ausbilder Jochen Koch übernommen. Er hat Anfang des Jahres mit der konkreten Planung angefangen. Dazu hat er sich zunächst bei der Informationsveranstaltung des städtischen Frauenbüros kundig gemacht. Dort wurde vermittelt, worauf bei der Vorbereitung des Girls'Day zu achten ist und welche Erwartungen die Mädchen haben. Danach hat er sich zusammen mit mir als Geschäftsführer überlegt, wie wir diesen Tag bewerben und umsetzen wollen.

Wie sollen die Mädchen von Ihrem Angebot erfahren? Ist es eine offene oder geschlossene Veranstaltung? Gibt es eine Zusammenarbeit mit Schulen oder anderen Einrichtungen?
Wir bewerben unser Angebot über die Aktionslandkarte der Girls'Day Internetseite. Zudem bereiten wir gerade einen Pressebericht mit Foto für die Tagespresse vor. Wir hoffen, dass der Bericht spätestens Anfang April in den zwei Zeitungen hier in Münster zu lesen ist.

Einen Platz haben wir bereits an die Tochter unseres Ausbilders Jochen Koch vergeben. Das ist also quasi ein geschlossenes Angebot. Zwei Plätze stehen weiteren Mädchen als offenes Angebot zur Verfügung.

Sind Sie sich an einem regionalen Arbeitskreis des Girls'Day beteiligt oder arbeiten Sie mit einem regionalen Arbeitskreis zusammen?
Wir sind nicht direkt an einem regionalen Arbeitskreis beteiligt, arbeiten aber eng mit der Handwerkskammer Münster zusammen, die Mitglied des Aktionsbündnisses Girls'Day der Stadt Münster ist. Die Koordinatorin des Girls'Day der Handwerkskammer Münster hat uns bestens bei der Vorbereitung des Mädchen-Zukunftstages unterstützt.

Wann würden Sie den Girls'Day als erfolgreich bewerten?
Wir bewerten den Girls'Day als erfolgreich, wenn wir es geschafft haben, in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit für die Berufschancen in technischen Ausbildungsberufen entwickelt zu haben. Es wäre natürlich klasse, wenn sich daraus später auch ein Ausbildungsverhältnis mit einer jungen Frau ergeben würde. Mädchen für technische Berufe zu begeistern, erfordert sicherlich noch mehr Einsatz von uns, als nur das Engagement an diesem einen Tag. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir eines der Mädchen für ein späteres Praktikum in unserem Hause gewinnen könnten. Erst danach ist unserer Meinung nach eine berufliche Entscheidung zu erwarten.

Welche Impulse bringt der Girls'Day für Ihren Betrieb?
Wir wollen auch unser Stammpersonal für das Thema "Mädchen im Handwerk" sensibilisieren. Ihnen wird durch die Schülerinnen an so einem Tag vermittelt, dass Frauen nicht nur unsere Kundinnen sind, sondern auch ihre Kolleginnen sein können.

Unsere Erfahrungen mit unseren Frauen im kaufmännischen Bereich zeigt uns nur zu gut, welchen positiven Einfluss sie auf das Klima in der Gruppe und im Betrieb haben. Wir würden wirklich gern noch viel mehr Frauen einstellen, weil wir wissen, dass wir nicht auf fünfzig Prozent der Erwerbstätigen verzichten können.

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