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Fraunhofer UMSICHT: Girls'Day in der Forschung

Junge Frau im Porträt

Unter dem Motto "Forscherkids – Einblick in den Alltag einer Forscherin" findet der Girls'Day bei der Forschungseinrichtung Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg statt. Dort erfahren die Teilnehmerinnen mehr über die MINT-Berufe am Forschungsinstitut (Verfahrens- und Werkstofftechnik, Chemie, Energie- und Umwelttechnik). Susanne Lettner, Leiterin Marketing bei Fraunhofer UMSICHT und MINT-Botschafterin der Initiative "MINT Zukunft schaffen", sprach mit uns darüber, weshalb es wichtig ist, junge Frauen für die Forschung zu begeistern.

Girls'Day: Was hat bei Ihnen das Interesse geweckt, sich am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu beteiligen?
Susanne Lettner: Wir möchten die Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene und Fragestellungen frühzeitig bei jungen Menschen wecken. Deshalb bieten wir unterschiedliche MINT-Events wie u.a. den Girls'Day an. Durch unseren Girls'Day wollen wir gerade Schülerinnen Mut machen, sich für einen Arbeitsplatz in der Forschung zu entscheiden. Durch den persönlichen Austausch mit unseren Mitarbeiterinnen am Mädchen-Zukunftstag können sie viele Fragen stellen und erfahren, wie andere Frauen ihren Weg in das Berufsleben gefunden haben. Auch wollen wir zeigen, wie abwechslungsreich und kreativ der Berufsalltag bei Fraunhofer UMSICHT ist. Wir betreiben anwendungsorientierte Forschung und entwickeln wirtschaftsnahe Konzepte und Verfahren zur Bereitstellung und zum Einsatz von Energie, Rohstoffen und Materialien. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten unsere Kunden von der Verfahrensidee bis zur Pilotanlage und von der Produktentwicklung bis zur Pilotproduktion. Der Arbeitstag bei uns ist spannend und das versuchen wir beim Girls'Day zu vermitteln und Anknüpfungspunkte für ein Praktikum oder eine Abschlussarbeit bei uns zu schaffen.

Wie groß ist die Veranstaltung, die Sie organisieren? Haben Sie Ihr Angebot auf eine bestimmte Altersgruppe oder Schulform abgestimmt?
Es können 15 Mädchen am Girls'Day teilnehmen und sich über das Arbeiten in unserer Forschungseinrichtung informieren. Die Mädchen besuchen unterschiedliche Realschulen und Gymnasien in der Region und kommen für den Girls'Day zusammen. Dieses Jahr haben am Girls'Day elf unterschiedliche Schulen aus fünf umliegenden Städten teilgenommen. 

Wie haben Sie Ihr Angebot gestaltet? Was erwarten Sie von dem Tag?
Wir versuchen den Mädchen ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Zu Beginn finden Präsentationen statt wie die Vorstellung unserer Forschungseinrichtung und eine Präsentation über Fördermöglichkeiten speziell für Frauen. Danach geht es auch schon weiter mit einer Vorführung zum "Thermischen Spritzen" und mit einem Rundgang durch unser Technikum. In der Diskussionsrunde berichten unsere Mitarbeiterinnen, warum sie eine MINT-Berufsausbildung gewählt haben und die Mädchen können Fragen stellen, wie man zu Fraunhofer UMSICHT kommt und wie es ist, dort zu arbeiten. Und die Mädchen dürfen bei uns auch selbst aktiv werden. Wir führen mit ihnen praktische Arbeiten durch, welche die Forschungsthemen unserer vier Abteilungen anschaulich erklären. Diesen Teil haben wir in vier Stationen passend zu unseren vier Abteilungen untergliedert. Jeweils eine Gruppe von 3-4 Mädchen ist an einer Station und wechselt dann weiter zur nächsten Station. Mit unserer Abteilung Kreislaufwirtschaft zerlegen die Mädchen ein Handy, um zu sehen, woraus es besteht und wie das Recyling von E-Schrott abläuft. Unsere Abteilung Energietechnik erläutert die Erzeugung von biogenen Kraftstoffen und in der Abteilung Biologische Verfahrenstechnik erfahren die Mädchen in praktischen Versuchen mehr über die Einsatzmöglichkeiten von Biokohle. In der Abteilung Thermische Verfahren werden den Mädchen Thermische Energiespeicher am Prüfstand vorgestellt und jede Teilnehmerin erhält ein Bild von unserer Wärmebildkamera.

Wer ist an den Vorbereitungen zum Girls'Day in Ihrem Betrieb beteiligt und ab wann haben Sie mit der Organisation angefangen?
Am Girls'Day beteiligt sind unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unseren vier Abteilungen sowie der Werkstatt/Konstruktion und der Verwaltung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich freiwillig am Girls'Day und sind mit Spaß und viel Engagement dabei. Organisiert wird der Girls'Day von Ingrid Löh, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Beauftragte für Chancengleichheit, und mir. Mit den ersten Vorbereitungen haben wir im Dezember letzten Jahres begonnen.

Wie erfahren die Mädchen von Ihrem Angebot? Ist es eine offene oder geschlossene Veranstaltung? Gibt es eine Zusammenarbeit mit Schulen oder anderen Einrichtungen?
Durch unsere weiteren MINT-Projekte sind wir mit den umliegenden Schulen und Hochschulen gut vernetzt. Für Studierende bieten wir Exkursionen und den Wissenschaftscampus an. In Kooperation mit Schulen führen wir W- und P-Seminare durch und organisieren einmal jährlich die Schülerwoche. Sodass wir mit Lehrkräften im aktiven Austausch sind, die als Multiplikatoren wirken. Vor dem Girls'Day haben wir zusätzlich die Schulen im Umkreis kontaktiert und sie über unser Programm informiert. Da wir auch der bundesweiten Initiative "MINT Zukunft schaffen" angehören, bei der ich mich ehrenamtlich als MINT-Botschafterin engagiere, haben wir dadurch guten Rückenwind und können unsere Angebot übergreifend bekannt machen. Für unsere Maßnahmen im Bereich Externes Personalmarketing und MINT-Nachwuchsförderung wurden wir bei der Initiative "MINT Zukunft schaffen" ausgezeichnet. Als unser Angebot auf der Girls'Day-Homepage online gestellt war, waren unsere 15 Plätze bereits nach wenigen Tagen ausgebucht.

Wann würden Sie den Girls'Day als erfolgreich bewerten?
Wir hoffen, dass die ein oder andere Teilnehmerin eine MINT-Ausbildung absolviert und durch unseren Girls'Day dazu motiviert wird. Wir bieten von Fraunhofer UMSICHT Promotionen, Abschlussarbeiten, Praktika und Tätigkeiten als studentische Hilfskräfte an. So würde es uns freuen, auf diese Weise ehemalige Teilnehmerinnen wiederzusehen, die sich dann auch später dafür entscheiden sich als Wissenschaftlerinnen bei uns zu bewerben.

Haben sich ehemalige Girls'Day-Teilnehmerinnen bei Ihnen um ein Praktikum oder eine Ausbildung beworben?
Wir bieten den Girls'Day erst im zweiten Jahr an. Die ehemaligen Teilnehmerinnen sind leider noch nicht im Alter, um bei uns ein Praktikum oder eine Ausbildung machen zu können. Aber wir hoffen, bald ehemalige Teilnehmerinnen bei uns in Praktika etc. wiederzusehen und weisen sie im Girls'Day auf unsere Stellenbörse hin.

Welche Impulse bringt der Girls'Day für Ihr Unternehmen?
Wir sehen es als unsere Aufgabe und Verantwortung sowie gesellschaftspolitische Verpflichtung, junge Menschen für eine Berufswahl im MINT-Bereich zu motivieren. Bei uns setzen sich Teams möglichst ausgewogen zusammen. Wir nutzen das kreative Potenzial der Vielfalt – hinsichtlich Geschlecht, verschiedener Altersstufen, Kulturen und Fachrichtungen – und erhöhen dadurch die Qualität unserer Arbeitsergebnisse. Vielfalt verstehen wir als Bereicherung für die Arbeit bei Fraunhofer. "Mehr Frauen in die angewandte Forschung" ist ein wichtiges Ziel der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Anteil der Frauen ist in allen Bereichen zu stärken, in denen die Frauen schwach vertreten sind. Um dieses Ziel zu erreichen, sind bei allen Vorhaben und Programmen von vornherein und kontinuierlich die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Daraus werden sowohl für die Personalrekrutierung als auch für die gesamte Beschäftigungszeit des weiblichen Personals Maßnahmen zur Verbesserung der Chancengleichheit abgeleitet. Frauen-Förderung wird bei Fraunhofer ernst genommen, das fängt beim Girls'Day für Schülerinnen an und mündet im Fraunhofer TALENTA-Programm, das Mitarbeiterinnen gezielt auf ihrem Karriereweg begleitet.

Haben Sie einen Tipp für Unternehmen, die sich erstmalig am Girls'Day beteiligen?
Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass praktische Arbeiten sehr gut ankommen und wichtig sind. Also ruhig viel Zeit dafür einplanen und die Mädchen mit Kittel, Handschuhen und Schutzbrille ausrüsten und bewusst fordern. Auch bewährt hat sich unsere Diskussionsrunde, in welcher die Mitarbeiterinnen authentisch aus ihrem Alltag und von ihrem Werdegang berichten. Gerade die vielen Nachfragen der Mädchen zeigen, dass daran Interesse besteht. 

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