‹ zurück

Es geht darum, dass man seinen Job gut macht

Porträtfoto einer Frau

Die Adam Opel AG bietet seit 2007 jährlich rund 170 Mädchen am Girls'Day die Möglichkeit, in Rüsselsheim technische Berufe kennenzulernen und sich darin praktisch zu erproben. Mit nachhaltigem Erfolg: So kam Laura Kaunzner während des Girls'Day bei Opel zum ersten Mal mit dem Beruf der Technischen Modellbauerin in Berührung und wird ihn nun auch bei dem Automobilhersteller erlernen. Aktuell sind 450 Auszubildende bei Opel beschäftigt, davon 62 Mädchen. Dr. Petra Krammer engagiert sich seit zwei Jahren für den Girls'Day. Als Manager Advanced Manufacturing Technologies in der Fertigungsplanung ist sie unter anderem für die Entwicklung neuer Technologien zuständig. Sie sagt: "Die Arbeit bei Opel ist spannend, abwechslungsreich und global vernetzt."

Girls'Day: Braucht Opel mehr Frauen?
Dr. Petra Krammer: Wir sind schon ganz gut aufgestellt, mit Mary Barra als CEO an der Spitze des gesamten GM-Konzerns. Darüber hinaus sind mehrere Frauen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen auf oberster Führungsebene tätig. Hier besteht kein großer Unterschied zwischen Männern und Frauen. Man wird danach beurteilt, ob man seinen Job gut macht. Ich persönlich habe noch keinerlei Benachteiligung erlebt.

Arbeiten Frauen anders als Männer?
Das ist pauschal immer schwierig zu sagen. Aber ich denke, dass das Einfühlungsvermögen für verschiedene Situationen und Menschen bei Frauen etwas ausgeprägter ist.

Warum sind Einrichtungen wie der Girls'Day gerade heute so wichtig? Sowohl für die Mädchen als auch für die Unternehmen?
Es hat sich zwar schon viel getan, aber wir sind – was den Frauenanteil in Unternehmen betrifft – immer noch nicht da, wo wir sein könnten. In den Schulen wird einiges an Theorie vermittelt, es ist aber trotzdem wichtig, den Arbeitsalltag hautnah zu erleben. Wenn die Mädchen anderen Frauen beim Arbeiten zusehen können und ihre Fragen beantwortet werden, entsteht bei ihnen eine ganz andere Wahrnehmung des technischen Berufs.

Spätestens im Studium begegnen Frauen, die ein naturwissenschaftlich-technisches Fach erlernen wollen, oft Vorurteile. Was raten Sie ihnen auch aus eigener Erfahrung?
Ich habe chemische Technik studiert, da ist der Frauenanteil etwas höher als etwa im Maschinenbau. Ich hatte aber nie mit Vorurteilen zu kämpfen. Ich würde auf jeden Fall jedem Mädchen, das sich für Technik interessiert, empfehlen, ein Praktikum zu machen und zu testen, ob der Beruf tatsächlich Spaß macht. Und generell bringt es einen immer voran, wenn man weiß, was man will und sich Ziele setzt.

Welche Fragen stellen die Besucherinnen des Girls'Day? Was interessiert sie besonders?
Das hängt auch davon ab, was wir zeigen. Wir demonstrieren zum Beispiel gern unser Montagetraining mit der Wii-Konsole. Da fragen die Schülerinnen, ob wir regelmäßig solche Tools einsetzen. In der Montage können sie dann selbst den Vergleich ziehen zwischen Computeranimation und Realität. Dort ergeben sich häufig Fragen zum Zusammenbau. Die Mädchen sind schon sehr an der Materie interessiert. Meist erzählen wir Frauen auch noch etwas zu unserem eigenen Werdegang. Die Mädchen wollen wissen, wie es ist, als Frau bei Opel zu arbeiten und wie es während des Studiums war. Sie sind durchaus wissbegierig und möchten erfahren, ob wir gegen Vorurteile kämpfen mussten und wie wir uns durchsetzen konnten.

Wenn die Mädchen während des Girls'Day durch die Abteilungen gehen, sehen sie dann auch Frauen oder junge Mädchen in der Ausbildung, die als Beispiel dienen könnten?
Ja, auf jeden Fall. In einem Jahr konnten die Mädchen selbst etwas schweißen mit ihrem Namen und dem Logo des Girls'Day darauf, das kam sehr gut an. Da war auch eine gerade neu eingestellte junge Frau mit dabei, die von ihrem Werdegang erzählte. Sie hatte interessanterweise einen dualen Studiengang gewählt. So konnten wir den Besucherinnen demonstrieren, dass auch das mit Opel möglich ist.

Hat der Girls'Day schon einmal dazu geführt, dass ein Mädchen tatsächlich eine technische Ausbildung bei Opel angefangen hat?
Das ist zwar nicht unser oberstes Ziel, wir wollen die Mädchen ja allgemein für technische Berufe begeistern, aber in der Tat gab es diesen Fall schon des Öfteren. Laura Kaunzner zum Beispiel hat nach dem Girls'Day bei Opel während eines Praktikums im Technischen Modellbau reingeschnuppert und hat 2015 nach ihrem Realschulabschluss die Ausbildung bei uns angefangen. Für uns sind das natürlich tolle Erfolgsgeschichten.

Was können die Mädchen am Girls'Day ausprobieren?
Im Bereich Fertigungsplanung erklären unter anderem, wie ein Fahrzeug aufgebaut ist, aus welchem Material es besteht und wie es konstruiert wird. Die Mädchen können sich dann live die Montage anschauen und auch selbst Hand anlegen. Uns ist es wichtig, dass die Besucherinnen eines oder mehrere Andenken mit nach Hause nehmen. Deshalb können sie bei den Sattlern aus einem Stück Leder einen Stier zusammen nieten, bei den Drehern stellen sie die Spitze für einen Kerzenständer her, der dann an anderer Stelle zusammen gebaut wird. Insgesamt bieten wir in der Lehrwerkstatt an sechs Stationen sechs Gruppen à zehn Mädchen die Möglichkeit, sich unter Anleitung auszuprobieren.

Ist das Angebot auf eine bestimmte Altersgruppe abgestimmt?
Unsere Angebote sind für Mädchen ab der achten Klasse, also etwa 14 Jahre.

Welche Ausbildungsberufe bei Opel werden am häufigsten von Mädchen gewählt?
Die meisten lernen Industriekauffrau, gefolgt vom Modellbau. Dort liegt der Mädchenanteil bei bis zu 50 Prozent. Das Angebot an technischen Ausbildungsberufen ist natürlich wesentlich breiter, zum Beispiel Elektronikerin für Betriebstechnik, Fertigungsmechanikerin, Industriemechanikerin, Mechatronikerin, Zerspanungsmechanikerin oder Werkzeugmechanikerin. Aktuelle Informationen rund um unser Ausbildungsangebot sind im Internet verfügbar.

zurück