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Die Mädchen sind unheimlich fit und kreativ

Girls'Day Erminas

Christopher Wennhold, Sonja Klatte und Boris Crismancich machen sich bei Erminas für den Girls'Day stark

Der Girls'Day bei erminas war innerhalb von vier Tagen ausgebucht. Sechs Mädchen haben am Girls'Day die Chance, mit dem Mini-Computer Calliope digitale Lösungswege zu entwickeln. Im Fokus stehen die Bedürfnisse der Menschen in Hamburg.

Girls'Day: Herr Crismancich, was hat bei Ihnen das Interesse geweckt, sich am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu beteiligen?
Boris Crismancich: Uns als IT-Spezialisten ist es seit langem ein Dorn im Auge, dass es in der Branche kaum Frauen gibt. Mit Themen wie dem "Internet der Dinge" gestalten wir die Gesellschaft der Zukunft. Wir finden, dass an diesem Prozess unbedingt auch Frauen beteiligt sein müssen, um eine Gesellschaft der Zukunft für alle zu erschaffen. Das staubige Image der IT ist falsch: IT ist kein schräges Hobby für Mathe-Asse. Programmierung kann jeder: Sie ist bunt, kreativ und man hat dabei viel mit Austausch zu tun. Das wollen wir Mädchen schon in der Schule zeigen, und die Türen für Frauen in der IT wieder öffnen.

Wie groß ist die Veranstaltung, die Sie organisieren wollen? Haben Sie Ihr Angebot auf eine bestimmte Altersgruppe oder Schulform abgestimmt?
Beim letzten Girls'Day hatten wir drei Schülerinnen zum Thema "Internet der Dinge" eingeladen. Die haben unglaubliche Lösungen erstellt. Diesmal haben wir uns entschlossen, sechs Mädchen einzuladen. Programmieren geht mit heutigen Werkzeugen schon sehr leicht. Da spielt das Alter keine Rolle, auch die Schulform nicht. Es ist ein Irrglaube, dass man besonders sein muss, um programmieren zu können. Wer Stricken lernen kann, kann auch Programmieren lernen. Tatsächlich ähneln sich beide Tätigkeiten sehr.

Wie haben Sie Ihr Angebot gestaltet? Was erwarten Sie von dem Tag?
Da wir mit Mini-Computern und Sensoren in der Industrie arbeiten, wollen wir das den Mädchen näherbringen. Es gibt gerade einen Mini-Computer mit Sensoren, der für Schulkinder ab der 3. Klasse entwickelt wurde. Der ist zwar einfach, aber man kann damit unglaublich viel machen. Thema des Tages ist SmartCity Hamburg. Die Mädchen werden sich an diesem Tag über die Menschen in Hamburg und ihre Bedürfnisse Gedanken machen. Gemeinsam wählen wir dann ein Bedürfnis oder Problem aus, dass man mit digitalen Mitteln lösen könnte. Die Kids denken sich dann eine Lösung aus und programmieren sie mit dem Mini-Computer. Am Ende darf jedes Mädchen ihren Mini-Computer mit nach Hause nehmen.

Wer ist an den Vorbereitungen zum Girls'Day in Ihrem Unternehmen beteiligt und ab wann haben Sie mit der Organisation angefangen?
Beim vergangenen Girls'Day hat die Vorbereitung etwa drei Tage in Anspruch genommen. Dafür wurde ich freigestellt. Diesmal werden es wahrscheinlich vier Tage und etwas private Zeit.

Wie sollen die Mädchen von Ihrem Angebot erfahren?
Ich habe das Angebot einfach auf die Girls'Day-Seite gestellt. Bereits nach vier Tagen waren alle sechs Plätze ausgebucht.

Sind Sie an einem regionalen Arbeitskreis des Girls'Day beteiligt oder arbeiten Sie mit einem regionalen Arbeitskreis zusammen.
Noch nicht, ich könnte mir das aber gut vorstellen. Ich bin Mentor bei "Jugend hackt" und entwickle auf meinem Blog digitale Unterrichtsinhalte für Nicht-MINT-Fächer.

Wann würden Sie den Girls'Day als erfolgreich bewerten?
Erfolgreich ist der Girls'Day, wenn wir den Mädchen die Augen dafür öffnen konnten, was sie selbst mit Programmierung machen können und an dem Tag die Fähigkeiten erworben haben, es mit ihrem Mini-Computer umzusetzen.

Haben sich ehemalige Girls'Day-Teilnehmerinnen bei Ihnen um ein Praktikum oder eine Ausbildung beworben?
Bisher noch nicht.

Welche Impulse bringt der Girls'Day für Ihren Betrieb?
Wenn man im Bereich der Digitalisierung und des Internet der Dinge unterwegs ist, sieht man eine große Kluft zwischen digitaler Wirtschaft und Gesellschaft. Mit Themen wie selbstlernenden Algorithmen, Big Data, SmartCity, autonomem Fahren haben wir die Gesellschaft abgehängt. Vielen macht das Angst. Es wird Zeit, dass wir die Gesellschaft abholen und in die Lage versetzen, die Zukunft mitzugestalten. Die Mädchen am Girls'Day sind Digital Natives. Sie haben die Digitalisierung nicht als atemberaubend tolle technische Entwicklung erlebt wie wir. Für die Natives sind diese Dinge selbstverständlich. Sie haben daher einen ganz anderen Blick auf die Themen, der sehr wertvoll für uns ist.

Haben Sie einen Tipp für ein Unternehmen, das sich erstmalig am Girls'Day beteiligt?
Tipp 1: Die Mädchen sind unheimlich fit und kreativ. Nicht unterschätzen und fordern. Ernst nehmen. Raum für eigene Ideenfindung geben und kreativ anregen. Manchmal helfen, sich gedanklich von ausgetretenen Pfaden (Smartphones, bestehende Apps) zu lösen.
Tipp 2: Obwohl sie so fit sind, sind gerade die jüngeren Mädchen noch Kinder. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt. Das vergisst man schnell, wenn man keine eigenen Kinder in dem Alter hat. Die Organisation sollte gut stehen und durchdacht sein. Wenn mehrere jüngere Mädchen dabei sind, muss man darauf achten, dass alle beschäftigt sind und nicht beginnen, sich zu langweilen.

Lieber Herr Crismancich, vielen Dank für das Gespräch.

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