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Nina: "Neugier auf Menschen und Kulturen"

Nina (19) lernt bei einer Hamburger Reederei den Beruf Schiffsmechanikerin. Im AFZ Aus- und Fortbildungszentrum in Rostock hat sie gerade eine Metallgrundausbildung erhalten und den Basic Safety Kurs, also seemännisches Sicherheitstraining absolviert. Sie hat als Schülerin dreimal am Girls'Day teilgenommen.

Girls'Day: Wie bist du auf den Girls'Day aufmerksam geworden?
Nina: Über die Schule. Wir sollten uns von Anfang an, also in der 5. Klasse, Girls´Day-Plätze suchen. Viele haben wie ich zunächst bei den Eltern zugeschaut und später andere Betriebe besucht. Das erste Mal in der 5. Klasse war ich bei meinem Papa in einer Brauerei, in der 6. Klasse war ich bei einem Klempner, also einem Installationsbetrieb und in der 7. Klasse hatte ich mir die Hamburger Hafenbehörde ausgesucht.

Wie war dein Girls'Day?
Also, schon interessant. Führungen durch den Betrieb oder die Einrichtungen gab es immer und wir konnten aber auch selbst z.B mit den Werkzeugen arbeiten.

Was hat dich auf die Idee gebracht, dich für die Ausbildung zu entscheiden?
Dazu hat schon auch der Girls'Day beigetragen, z. B. in der Hafenbehörde und anschließend meine Schulpraktika bei Reedereien. Bei der Reederei Leonhardt & Blumberg mache ich jetzt auch meine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin. Später möchte ich aber gern noch studieren und mein Traum ist es als Kapitänin zur See fahren.

Hast du Unterstützung von anderen bei deiner Wahl erfahren?
Manche Leute haben schon gefragt, warum ich mit einem sehr guten Abi eine Ausbildung mache und nicht gleich studiere. Auch meine Eltern haben gefragt, ob ich sicher bin, diese Ausbildung zu machen. Ich habe meine Entscheidung sehr selbstständig getroffen und möchte den Beruf von Anfang an lernen. Meine Eltern unterstützen mich und sind jetzt sehr stolz.

Wie lief deine Bewerbung ab? War es durch den Girls'Day einfacher?
Bei den Bewerbungen hat das bestimmt mit eine Rolle gespielt. Ich war ja die Jüngste mit damals 17 Jahren. Meine männlichen Kollegen sind älter, haben manchmal schon eine Ausbildung abgeschlossen und mehr technische Erfahrungen. Meine schulischen Leistungen, die Praktika und ich als Person, das hat gepasst.

Wie viele weibliche Azubis gibt es in deinem Betrieb?
Der Beruf ist ein typischer Beruf für Männer – Seefahrt eben. In meiner Berufsschulklasse ist noch ein Mädchen. Bei den technischen Sachen sind die Jungs im Vorteil, wegen ihrer Vorkenntnisse, die ich einfach nicht habe. Da kommen auch manchmal so Sprüche wie: "Abitur haben und das jetzt nicht können". Da muss ich ganz schön ackern. Dafür kann ich andere Sachen besser. Aber das wird schon. Ich bin optimistisch.

Welche Voraussetzungen muss man nach deiner Einschätzung für den Beruf mitbringen?
Technisches Verständnis, Neugier auf andere Menschen und Kulturen, soziale Kompetenzen. Vielleicht nicht zu starke Bindungen an zu Hause, man muss auch allein sein können, denn wir sind z.B. ab Februar für ein halbes Jahr auf See. Fremdsprachen, besonders Englisch, sind wichtig, weil an Bord ja natürlich Leute aus den verschiedensten Nationen miteinander arbeiten.

Ist es schwierig für eine junge Frau, in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten?
Bis jetzt ist es noch schwierig, nicht weil ich ein Mädchen bin, sondern weil die technischen Vorkenntnisse und Erfahrungen fehlen. Ich bin eine von dreien, die noch nicht an Bord waren. Aber ich wusste ja, was auf mich zukommt.

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Mädchen Berufe in Technik, Naturwissenschaften, IT und Handwerk wählen?
Man sollte schon ganz früh anfangen, Mädchen auf solche Sachen zu orientieren. Bei uns am Gymnasium haben wir in der 11. Klasse festgestellt, dass es in den Kursen eine klare Aufteilung gab. Die Sprachprofile waren meist von den Mädchen gewählt, die Jungs waren in den naturwissenschaftlich-technischen Kursen. Ich denke, das ist noch ganz tief in der Gesellschaft drin, dass Mädchen besser Englisch und Französisch können und die Männer die Technik beherrschen. Die Gesellschaft sollte aufhören in Rollen zu denken. Frauen sollten mehr ermutigt werden und selber mehr Mut haben. Auch Männer sollten den Mut haben zu sagen, wenn sie keinen Bock auf Technik haben.

Welche Aktionen hältst du, z.B. in Schulen und Betrieben, für sinnvoll damit mehr junge Frauen einen Beruf in Technik oder Naturwissenschaften wählen?
In den Berufsinformationszentren gibt es solche Programme zum Austesten. Da werden nach bestimmten Abfragen Berufe ausgewählt, die dann passen könnten. Aber manchmal sollte man auch solche Berufe raussuchen, an die man noch nicht gedacht hat. Mir haben z.B. Mathe und Physik immer Spaß gemacht. Außerdem sollten in der Schule mehr Praktika angeboten werden. Man muss ja erst herausfinden, was zu einem passt. Und solche Fernsehserien, die schon kleinen Mädchen zeigen sollen, "worauf es im Leben ankommt" – schminken, schön sein, Star werden – finde ich falsch.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich hoffe, dass ich die richtige Wahl getroffen habe und dass meine erste Fahrt an Bord eines Containerschiffes auf der Amerika-Route gut läuft. Im August sind wir dann erst wieder zurück und im November ist der nächste Schulblock.

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