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Jessica ist Elektronikerin für Geräte und Systeme

Eine junge Frau schraubt an einer Schaltfläche

Foto: planet_beruf

Jessica Wienand ist Elektronikerin für Geräte und Systeme bei der Firma WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG. Nachdem sie in der 6. Klasse den Girls'Day dort verbracht hatte, wechselte sie in der Realschule vom kaufmännischen in den mathematisch-technischen Zweig. Diesen damals eingeschlagenen Weg zieht sie bis heute durch: Nach diversen Praktika folgte die Ausbildung, ihr nächstes Ziel hat sie auch schon vor Augen.

Girls'Day: Jessica, du bist mittlerweile ausgebildete Elektronikerin für Geräte und Systeme. Wie genau bist du dahin gekommen?

Jessica: Ich habe 2006 hier bei der WIKA den Girls’Day verbracht – und habe in den Beruf der Elektronikerin hineingeschnuppert. Mir haben die Tätigkeiten in diesem Beruf sehr gut gefallen. Damals hatte ich in der Realschule allerdings den betriebswirtschaftlichen Zweig gewählt.

Du hattest dich also eigentlich eher für den kaufmännischen Bereich entschieden.

Genau. Aber nach dem Girls'Day bin ich zu unserem Schulleiter gegangen und habe gefragt, ob es möglich ist, in den mathematisch-technischen Zweig zu wechseln, weil mir das Berufsfeld Elektronikerin so gut gefallen hatte. Er machte eine Ausnahme und ermöglichte es, weil ich damals genau wusste, warum ich wechseln wollte. Meine Argumente haben ihn überzeugt. Nach dem Girls'Day habe ich ein Praktikum als Elektronikerin und eines als Mechatronikerin gemacht – unter anderem auch bei WIKA und habe mich dann später hier beworben und glücklicherweise eine Zusage bekommen.

Du hast deinen ersten Girls'Day in der sechsten Klasse erlebt. Hast du dir deinen Platz selbst ausgesucht? Aus bloßer Neugier oder gab es einen anderen Impuls?

Wir waren in der Klasse nur wenige Mädchen, zu zweit haben wir uns am Girls'Day beteiligt und durften uns aussuchen, wo wir in welchen Beruf hineinschnuppern wollen. Wir haben uns vor allem für WIKA entschieden, weil das Unternehmen ein recht großer Arbeitgeber in unserer Region ist. Und um das Unternehmen kennenzulernen, habe ich mich dort um einen Girls'Day-Platz gekümmert.

Wie hat dir der Girls'Day gefallen?

Ich fand’s toll, dass man da einfach etwas Praktisches machen kann. Das Löten zum Beispiel hat mir sehr zugesagt. Und durch die weiteren Praktika ist das Technikinteresse dann in mir geweckt worden. Wir haben während des Girls'Day schon Löten können und haben Drahtbiege-Übungen gemacht. Wir haben den Umgang mit Werkzeug kennengelernt und konnten hinterher sagen, wenn der Papa daheim etwas gemacht hat: "Hey, ich kann das ja auch."

Du bist durch den Girls'Day auf die richtige Spur gekommen. Hast du noch weitere Male am Girls’Day teilgenommen?

Ich war noch in einer Robotik-Firma, als Mechatronikerin. Und dann habe ich einen Girls'Day bei der Stadt Aschaffenburg im Hochbauamt erlebt.

Was gefällt dir so gut an dem Beruf Elektronikerin?

Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Man hat mit Programmierung zu tun, arbeitet aber auch praktisch, man muss zum Beispiel auch mal etwas löten. Außerdem braucht man ein schlaues Köpfchen – zum Beispiel eine Fehlersuche an einem defekten Gerät. Man muss aber auch teamfähig sein, weil man ganz oft mit technischen Zeichnern oder Mechanikern zusammenarbeitet. Elektronik steckt heute einfach in allem steckt.

Die Ausbildung hast du jetzt erfolgreich absolviert und bist mittlerweile übernommen worden.

Genau. Jetzt arbeite ich bei uns im Drucklabor, da werden Druckmessgeräte überprüft, ob sie noch richtig funktionieren –und die Klassengenauigkeit einhalten.

Wie können wir uns deinen genauen Arbeitsalltag vorstellen?

Ich bin sozusagen die Servicefachkraft. Wenn ein Kunde ein Messgerät zur Überprüfung einschickt, dann beginnt mein Job. Ich prüfe, ob das Kundengerät auch wirklich 5 bar anzeigt, wenn ich es mit 5 bar beaufschlage. Dies kann ich mit genauen Referenzgeräten erreichen. Wenn es die angegebene Genauigkeit nicht einhält, dann bin ich gefordert: Wie kann ich es neu einstellen? Oder muss ich es zum Hersteller einschicken? Oder kann mir jemand anderes noch Tipps und Ratschläge geben, wie ich es zu machen habe. Da ist dann das technische Wissen gefragt.

Besteht für dich im Anschluss an deine Ausbildung die Möglichkeit zur Weiterbildung?

Ich könnte zum Beispiel meinen Techniker in der Fachrichtung Mechatronik machen. Da gibt es auch noch die einzelnen Studienfächer, wo man sich unter anderem in Sensorik weiterbilden kann. Ich könnte auch meinen Techniker in Elektronik machen. Das würde berufsbegleitend in vier Jahren oder in Vollzeit in zwei Jahre erfolgen. Es besteht auch die Möglichkeit noch ein Studium dranzuhängen. Dafür müsste ich allerdings erst die Berufsoberschule absolviert haben, denn das Abitur habe ich noch nicht.

Den Berufsweg hätte ohne Girls'Day wohl anders ausgesehen. Warum findest du den Mädchen-Zukunftstag so wichtig?

Einfach um verschiedene Berufe kennen zu lernen, die eben nicht die typischen Frauenberufe sind. Und, um einfach mal zu sehen, dass ein Mechaniker nicht nur Männerarbeit ist – sagen wir's mal so. In dem Beruf wird ganz viel Wert auf Genauigkeit gelegt, außerdem muss man als Mechaniker nicht jeden Tag zehn Kilo durch die Gegend tragen – wie viele vielleicht denken. Mittlerweile wird ja viel von den Maschinen übernommen, ersetzt und vereinfacht. Der Beruf ist also durchaus für Mädels machbar und Spaß macht es auch.

Was meinst du, wie könnten noch mehr Mädchen an handwerkliche, technische und naturwissenschaftliche Berufe herangeführt werden?

Ich fänd' es ganz gut, wenn es an allen Schulen ein verpflichtendes Praktikum gäbe. Wenn man die Möglichkeit hätte noch mehr Berufe auszuprobieren.  Es wäre auch toll, wenn sich eine Firma, die in der Region ansässig ist, in der Schule vorstellt. So, dass die Unternehmen den ersten Schritt machen. In der fünften, sechsten Klasse ist man ja noch relativ jung, und traut sich nicht unbedingt von sich aus auf das Unternehmen zuzugehen. Oder man ist noch sehr von den Eltern gesteuert und die sehen ihre Tochter dann eher als Industriekauffrau – und denken vielleicht gar nicht daran, dass ihre Tochter auch den Beruf Mechatronikerin ausprobieren könnte.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Gute Frage. Auf jeden Fall würd ich gerne bei WIKA bleiben. Wir haben hier die Möglichkeit, uns intern zu bewerben und hier noch ganz viel zu lernen und andere Seiten viel von der Fima zu sehen. Mich würde interessieren, was ich mit meinem erlernten Beruf noch alles so anfangen kann. Sei es an verschiedenen Projekten zu arbeiten, oder vielleicht auch noch mal ins Ausland zu gehen, zu Niederlassungen zum Beispiel. Ich konnte auch schon ein Hochdruck-Seminar bei der PTB – das ist die Physikalisch Technische Bundesanstalt – besuchen. Da habe ich gelernt, wie man wie man Geräte kalibriert, mit denen man noch höhere Drücke messen kann als bei uns. Das ist toll, das bringt einen schon weiter.

Liebe Jessica, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

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