‹ zurück

Augen offen halten, ausprobieren und loslegen!

Foto: ZDH

"Augen offen halten, ausprobieren und loslegen!", rät Anna Wackernagel allen Mädchen bei der Suche nach ihrem Traumberuf. Sie ist durch die Teilnahme am Girls’Day bei einer Kälteanlagenbaufirma auf ihren heutigen Beruf aufmerksam geworden. Nach einem anschließenden Praktikum stand ihr Berufswunsch fest: Mechatronikerin für Kältetechnik. Ihre Ausbildung bei der Stulz GmbH hat sie 2014 als Landessiegerin abgeschlossen.

Girls'Day: Wo haben Sie den Girls’Day erlebt und warum haben Sie sich für diesen Girls’Day-Platz entschieden?
Anna Wackernagel: In der neunten Klasse wollte ich gerne beim Girls‘ Day mitmachen und wusste, es soll etwas handwerkliches sein. Meine Mutter hat damals im Internet recherchiert und ist zufällig auf die Kälteanlagenbaufirma York gestoßen, die noch einen Platz frei hatte. Dort habe ich dann einen Tag verbracht.

Bitte beschreiben Sie, was Sie am Girls’Day erlebt haben und was am interessantesten war.
Während des Girls‘ Days haben wir verschiedene Abteilungen angesehen und unterschiedliche Aufgaben selbst gelöst. U.a. haben wir einen Schlüsselanhänger aus Metall bearbeitet und eine Verrohrung am Computer gezeichnet und ausgedruckt. Am interessantesten fand ich es in der Werkstatt. Dort habe ich dann auch später ein Praktikum in den Sommerferien gemacht.

Inwiefern hat der Girls’Day Ihre spätere Berufswahl beeinflusst?
Der Girls‘Day hat meine Berufswahl sehr stark beeinflusst. Ich wusste früh, dass ich eine handwerkliche Lehre machen und den Gesellenbrief erreichen möchte. Der genaue Berufszweig jedoch war mir nicht sofort klar. Seit ich an dem Girls‘Day teilgenommen habe, wusste ich, dass ich die Lehre zur Mechatronikerin für Kältetechnik nach der Schule abschließen möchte. Und nach meinem Praktikum, was ich nach dem Girls‘ Day in derselben Firma gemacht habe, stand mein Berufswusch dann endgültig fest. Die Vielfältigkeit und Individualität hat mich bei diesem Beruf besonders gereizt.

Wie wichtig finden Sie den Girls’Day?
Meiner Meinung nach ist der Girls‘ Day eine tolle Möglichkeit für Kinder in das Berufsleben reinzuschauen. Mittlerweile habe ich in meiner Lehrfirma STULZ schon mehrere Girls‘Day selbst organisiert und geleitet. Daher weiß ich auch, dass viele Jugendlichen und mit viel Eifer teilnehmen. Einige erkennen dabei ganz neue Vielfalt der Möglichkeiten der Berufswahl. Aber  auch wenn den Jugendlichen schon im Vorfeld klar ist, dass sie einen gänzlich anderen Berufswunsch haben. Hier gibt der Girls‘ Day einfach einen guten Einblick in verschiedene Berufe.

Bitte schildern Sie uns die Ausbildung ein wenig. Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus? Und was macht Ihnen besonders Spaß?
Der typische Arbeitsalltag hat viele Facetten und ist nie gleich! Grob kann in Produktion, Werkstatt und Kundendienst unterschieden werden. Es ist dabei ein großer situativer Unterschied, ob ich im Werk in Hamburg ein neues Präzisionsklimagerät nach höchsten Qualitätsansprüchen baue, ein fehlerhaftes Gerät untersuche und repariere, beim Kunden ein neues System installiere oder an einem bestehenden arbeite. Jeder Bereich hat seine eigenen Tücken und  Ansprüche, wobei ganz verschiedene Anforderungen erfüllt werden müssen. Die handwerklichen Fähigkeiten jedoch bleiben überall gleich. Grundfertigkeiten, wie Rohre nach Maß biegen, bördeln, löten und das Verständnis für die elektrische Regelung und die komplexen Zusammenhänge in einem Kältekreislauf, werden übergreifend gefordert. Die Vielfältigkeit und Komplexität des Gesamtsystemes find ich am spannendsten.

Welche Voraussetzungen sollte man für den Beruf mitbringen?
Als Mechatronikerin für Kältetechnik sollte man unbedingt Grundlagen in Mathe, Physik und Chemie gut beherrschen. Dazu kommen persönliche Qualifikationen, wie eine präzise Arbeitsweise, handwerkliches Geschick, vor allem im Umgang mit Metall, Eigenständigkeit und eine angemessene Portion Mut für die Störungsbehebung.

Wie sind Ihre Erfahrungen als Frau in einem Berufsfeld, in dem noch überwiegend Männer tätig sind?
Meine Erfahrungen mit den männlichen Kollegen sind durchweg positiv! Selbstverständlich ist der Ton auf dem Rohbau rauer als im Büro und die Sprüche andere als allein unter Frauen. Allerdings gab es noch niemanden, der mich  in irgendeiner Form diskriminiert hat. Ganz im Gegenteil, ich komme mit den Kollegen super gut aus und die gemeinsame Arbeit macht Spaß.

Welche Aktionen halten Sie (z.B. in Schulen und Betrieben) für sinnvoll, damit mehr junge Frauen einen technisch-orientierten Beruf wählen?
Ich glaube gar nicht, dass spezielle Aktionen dieses Interesse wecken, es ist viel mehr die Selbstverständlichkeit und Normalität, die von den Erwachsenen vorgelebt wird. Es sollte nicht jedes Mal mit Staunen betrachtet werden, wenn ein Mädchen in den Naturwissenschaften so gut wie oder besser ist als ein Junge. Selbiges finde ich umgekehrt in Fächern wie z.B. Kunst oder Sprachen ebenso wichtig.

Was empfehlen Sie jungen Frauen hinsichtlich der Berufswahl?
Junge Frauen sollen einfach raus gehen in diese vielfältige Welt und für sich entdecken, was ihnen selbst gefällt und Spaß macht! Das muss keinesfalls der „typische Frauenberuf“ sein. Augen offen halten, ausprobieren und loslegen!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Für das Handwerk wünsche ich mir, dass die Hemmschwelle für eine nicht geschlechtertypische Berufswahl sinkt. Für meine persönliche Zukunft wünsche ich mir, eines Tages den Meisterbrief in den Händen halten zu können.

Frau Wackernagel, vielen Dank für das Gespräch!

zurück