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Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe

Porträt einer Frau

Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe studierte als eine von wenigen Frauen in den 1970er Jahren Pharmazie und Chemie. Sie promovierte und habilitierte in den 1980er Jahren, erhielt in den 1990ern eine C3-Professur an der Universität zu Bonn. Sie wurde mit dem Wolfgang-Pauli-Preis und dem Phoenix-Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Seit mehr als zehn Jahren besitzt sie den Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Hier entwickelt sie neue Substanzen zur Behandlung von Alzheimer und Infektionskrankheiten.

Wobei störe ich Sie gerade?
Ich schreibe gerade eine E-Mail (lacht). Nein, grob gesagt entwickeln wir hier neue Arzneistoffe. Außerdem gebe ich in der Woche elf Stunden Vorlesung in pharmazeutischer Chemie, das heißt, ich unterrichte Studierende in der Chemie der Arzneistoffe.

Sie wurden mit dem Wolfgang-Pauli-Preis und dem Phoenix-Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Sie arbeiten seit vielen Jahren in Ihrem Beruf. Warum haben Sie sich denn überhaupt entschieden Pharmazie und Chemie zu studieren?
Also, als ich in der Schule war, da habe ich mir – aus welchem Grund auch immer – überlegt, dass ich Medikamente und Arzneistoffe entwickeln möchte. Dann  gab es bei uns einen Abituriententag, an dem man sich zu verschiedenen Berufen informieren konnte. Da bin ich dann zu den Apothekern gegangen und hab gesagt „Ich würde gerne Medikamente herstellen“. Die sagten mir, dafür müsse ich aber erst mal Chemie studieren. Nachdem ich fünf Semester studiert hatte, war ich bei einem Besuch bei der Hoechst AG – einem Chemie- und Pharmaunternehmen. Da hab ich dann mal gefragt, ob es auch Frauen in der Forschung gibt. Die haben lange überlegt, es gab aber nur einige wenige im Labor und viele in Bürojobs. Da habe ich mir gedacht, ich will nicht zwischen Papierbergen verstauben. Deswegen habe ich dann noch angefangen Pharmazie zu studieren.

Haben Sie es bereut?
Ich bin jetzt seit 23 Jahren Professorin. Und ich bin immer noch unglaublich glücklich, dass ich die richtigen Studienfächer gewählt habe. Ich habe noch immer viel Spaß an meinem Beruf und das erachte ich als großes Glück.

Haben Sie sich völlig selbstständig für diese Fachrichtung entschieden oder wurden Sie in irgendeiner Weise von anderen Personen beeinflusst?
Nein. Als ich von diesem Abituriententag zurückkam, hat mein Vater mich gefragt: „Und was willst du jetzt studieren“. „Chemie“, hab ich gesagt. Da waren meine Eltern erst mal verblüfft. Aber beide fanden das okay. Meine Mutter sagte nur noch, dass ich aber nach einem Semester wissen müsste, ob ich das wirklich studieren will. Ich finde das wichtig, dass Eltern ihren Kindern bei der Berufswahl die freie Wahl lassen. Mein Vater war selbstständig und er hat mich nie dazu gedrängt oder den Wunsch geäußert, dass ich seinen Betrieb übernehmen sollte. Das fand ich sehr gut.

Wie sah es denn während Ihres Studiums mit der Geschlechterverteilung aus?
Also ich habe 1974 angefangen zu studieren. Da gab es wirklich wenige Frauen. Ich glaube wir waren 90 Studienanfänger und davon 16 Frauen.

Hat sich das bis heute verändert?
Ja. In der Chemie ist der Anteil heute oftmals 50/50. In der Pharmazie sind es heute viel mehr Frauen als Männer, circa 70 Prozent sind weiblich. Ich glaube das liegt daran, dass die Berufe, die Frauen mit diesem Studium ergreifen können, sehr familienfreundlich sind, insbesondere als Offizinapothekerin. Da kann man halbtags oder stundenweise arbeiten. Oder auch mal für eine Zeit aussteigen und dann wieder anfangen.

Sind diese Berufe denn dann gut bezahlt?
Eher mittelprächtig.

Was denken Sie, wie könnte man die Anzahl der Frauen in der Forschung oder in Führungspositionen erhöhen?
Also meiner Meinung nach brauchen wir keine Frauenförderung. Wir brauchen arbeitsplatznahe Kinderbetreuung. Frauen brauchen die Möglichkeit, ihre Kinder betreuen zu lassen, während sie arbeiten.

Sie halten nicht viel von Frauenförderung. Wie beurteilen Sie denn die Wirkungsweise des Girls'Day?
Ich finde es schon wichtig, dass man alle Informationen sammeln kann, die man zur Berufswahl benötigt.

Ist es für Sie schwierig Partnerschaft und Karriere unter einen Hut zu bringen?
Mmh, eher nicht. Meine Partnerin arbeitet auch viel. Und ich denke, dass das eine Frage der Akzeptanz ist. Mit Kindern ist es sicherlich noch ein bisschen schwieriger, da muss man vielleicht mal aussteigen.

Was würden Sie denn jungen Frauen und Mädchen als Tipp bei ihrer Berufswahl mit auf den Weg geben?
Das zu studieren, was einem am meisten Spaß macht. Natürlich sollte man auch ein bisschen auf den Arbeitsmarkt gucken, aber es nützt nichts, wenn man später viel verdient oder eine leitende Tätigkeit hat, wenn man gar keinen Spaß an seinem Beruf hat. Ich finde, das ist sehr wichtig.

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