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Eva Ciesla

Eva Ciesla_Testmanagerin Deutsche Telekom

Eva Ciesla ist Testmanagerin bei der Deutschen Telekom und hat noch viel vor. Wenn die 31-Jährige gerade nicht ein 5-köpfiges, auf die Standorte Essen und Mülheim an der Ruhr verteiltes Testteam leitet, studiert sie an der FOM Hochschule in Düsseldorf Wirtschaftsinformatik.

Frau Ciesla, Sie haben einen 30-Stunden-Job und studieren nebenbei Wirtschaftsinformatik? Warum?
Die Sicherstellung der Softwarequalität hat mich bereits während meiner Ausbildung zur Fachinformatikerin der Fachrichtung Anwendungsentwicklung interessiert. Zurzeit verfolge ich zwei berufliche Ziele, die ich idealerweise miteinander kombinieren will:
Ziel 1: Mitarbeit bei der Einführung von Managementsystemen zur Verbesserung von Geschäftsprozessen wie bspw. Six Sigma.
Ziel 2: Projektleiterin für Entwicklungs- und/oder Testteams von sicherheitskritischen Systemen.
Neben der fachlichen Qualifikation und der entsprechenden Berufserfahrung ist für diese Ziele die formale Qualifikation in Form eines Studienabschlusses erforderlich. Mein Arbeitgeber, die Deutsche Telekom AG, unterstützt meinen Qualifizierungswunsch über das Bologna@Telekom Stipendienprogramm.

Ihre Berufslaufbahn wirkt sehr geradlinig. Wussten Sie von Anfang an, wo Sie hinwollten?
Nein, wusste ich nicht. Leider liegt der Fokus eines Gymnasiums immer noch zu sehr auf dem „klassischen“ Weg: Studium nach dem Abitur. Es kann jedoch sein, dass ein junger Mensch nach dem Abitur noch nicht die nötige Reife besitzt, um die Herausforderungen eines Studiums zu meistern. In einem solchen Fall wäre es besser, erst einmal eine „konkrete“ Berufsausbildung zu absolvieren, um finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen und gleichzeitig intellektuell für ein Studium zu „reifen“. So geschehen bei mir. Ich wünschte mir von den weiterführenden Schulen des sekundären Bildungsbereiches eine mindestens gleichwertige Behandlung von beruflichen wie schulischen Inhalten. Auf diese Art erfolgte eine Entscheidung für, bzw. gegen eine Berufsausbildung, bzw. Studium weniger nebulös.

Was hat Sie geprägt?
Ich bin ein in Deutschland geborenes „Einwandererkind“ mit polnischen Wurzeln, welches trotz Eltern mit Hochschulabschluss in einem traditionellem Arbeitermilieu aufgewachsen ist. Unter Freunden waren Fragen der Art „Mit welchen Maßnahmen schaffe ich es, aus meinem 13 Jahre alten Wagen mehr Kraft herauszuholen?“ bzw. „Gehen wir am Wochenende wieder feiern?“ wichtiger als Fragen bezüglich eines (Hoch-)Schulabschlusses. Ein Kompliment, welches ich im Alter von etwa 14 bis 15 Jahren erhalten hatte, war die Feststellung, dass ich ganz schön bodenständig und nicht hochnäsig sei und das, obwohl ich doch vom „Gymi“ käme. Meine Mitschüler wiederum kamen aus dem sogenannten konservativ gehobenen Milieu und spotteten häufig über meine „uncoole“ Erscheinung bzw. die Gegend, in der ich aufwuchs. So wie sie wollte ich nicht werden. Mir war klar, dass ich nach dem Abitur eine Berufsausbildung absolvieren würde. Da mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war, welcher Beruf mir Spaß machen würde, entschied ich mich, erst einmal „etwas Kaufmännisches“ zu machen, wie meine Mutter, die als kaufmännische Abteilungsleiterin arbeitete.

Was hat Ihnen auf dem Weg zur Berufswahl geholfen?
Meine erste Berufsausbildung zur Bürokauffrau absolvierte ich in einer Unternehmensberatung für ERP-Systeme, einer Software zur Unterstützung der Ressourcenplanung innerhalb von Unternehmen. Schnell merkte ich, dass eine kaufmännische Ausbildung meinem Wunsch nach eigenverantwortlicher Arbeit nicht entgegenkam. Inspiriert durch die Auszubildenden, die die Fertigkeiten des Ausbildungsberufes Fachinformatiker der Fachrichtung Anwendungsentwicklung lernten, begann ich, mich für Webseitengestaltung zu interessieren. Parallel dazu fing ich in meiner Freizeit an, grafische Oberflächen in Visual Basic 6 zusammenzustellen. Ich beendete in 2,5 statt 3 Jahren meine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Danach bewarb ich mich sofort um einen Praktikumsplatz bei der T-Systems in Mülheim an der Ruhr. Noch während des Praktikums, welches mir sehr viel Freude bereitete und in welchem ich sowohl einen Einblick in die Programmiersprache awk, als auch den Zusammenbau von Rechnern erhielt, bewarb ich mich um einen Ausbildungsplatz als Fachinformatikerin der Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Ich fühlte endlich, dass ich im Begriff war, „anzukommen“, als ich noch im gleichen Jahr eine Zusage für den gewünschten Ausbildungsplatz erhielt. Bis heute – im September 2014 feiere ich mein zehnjähriges Jubiläum bei der Deutschen Telekom AG - habe ich meine Entscheidung nicht bereut, auch wenn ich mich mittlerweile von der Programmierung weg zu koordinierenden Tätigkeiten weiterentwickelt habe. In diesen zehn Jahren meiner Tätigkeit für die Deutsche Telekom habe ich in vielfältigen IT-Projekten mitgearbeitet, einige davon befanden sich im Ausland. In Kanada habe ich 6 Wochen gearbeitet, in Indien war ich drei Monate beruflich stationiert.

Haben Sie beim Girls'Day mitgemacht? Wie wichtig finden Sie diesen Aktionstag?
Der 1. Girls'Day fand am 26. April 2001 statt - in dem Jahr, in dem ich mein Abitur absolvierte und das Gymnasium verließ. Leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es einen solchen Aktionstag gibt. Es gab keinen Aushang an der Schule, keine weiteren Informationen. Ich bin mir sicher, dass mir mithilfe des Girls'Day zügiger klargeworden wäre, dass ich eine Ausbildung zur Fachinformatikerin der Fachrichtung Anwendungsentwicklung absolvieren möchte. Aus diesem Grund finde ich es sehr wichtig, dass es diesen Aktionstag gibt und begrüße sein jährliches stattfinden.

Haben Sie Unterstützung von zuhause bekommen?
Meine Mutter kann mit dem Themenbereich „Informationstechnologie“ nicht identifizieren. Sie hat lange gebraucht, um sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich nicht nur als Anwenderin vor einem Computer sitze. Mittlerweile hat sie meine berufliche Entscheidung akzeptiert, auch wenn sie sich weiterhin nichts unter meinen Tätigkeiten vorstellen kann.

Was ist Ihr Tipp für junge Frauen, die sich heute für einen Beruf entscheiden müssen?
Auch wenn ich nun Gefahr laufe, wie meine Mutter zu klingen, aber gute Schulnoten eröffnen tatsächlich vielfältigere berufliche Möglichkeiten. Meine eigenen Noten waren zum damaligen Zeitpunkt durchschnittlich - auch ich hatte diesem Rat meiner Mutter als Jugendliche keinen Glauben schenken wollen - ich hatte mich jedoch für den Ausbildungsplatz als Fachinformatikerin durch mein vorheriges Praktikum empfohlen, sowie mein sehr gutes Einstellungstestergebnis, welches u.a. fachliche Fragen zu meinem zukünftigen Ausbildungsberuf beinhaltete, hierdurch meinen Interessen entgegenkam und somit ohne Schwierigkeiten zu bewerkstelligen war.

Ebenso wichtig ist, frühzeitig seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Das im Allgemeinen in der Mittelstufe angebotene zweiwöchige Berufspraktikum ist zu kurz, um auf dessen Basis eine adäquate Berufswahl treffen zu können. Aus diesem Grund würde ich jungen Frauen raten, beispielsweise die jeweiligen sechswöchigen Sommerferien für Berufspraktika zu nutzen, um sich ein besseres Bild von den Betrieben und den technischen Ausbildungsberufen zu machen.

Das Wichtigste ist jedoch, keine Angst davor zu haben, sein Leben selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen. Fehler gehören ebenso wie Erfolgserlebnisse dazu. Ich habe einmal einen Werbespot mit einem bekannten amerikanischen Basketballstar gesehen, in welchem dieser über seine sportlichen Misserfolge spricht, bis er am Ende des Films zu dem Fazit kommt, dass es genau jene Misserfolge waren, die ihn letztlich stark und erfolgreich gemacht haben.

Bereits vor sieben Jahren hatten wir Eva Ciesla getroffen. Damals machte sie eine Ausbildung bei der Deutschen Telekom AG zur Fachinformatikerin Fachrichtung Anwendungsentwicklung.  Wir sind gespannt, wo sie in fünf Jahren steht.

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