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Typische "Frauenberufe" oder "Männerberufe" – das ist doch totaler Blödsinn!

Sarah Dittmar, Kfz-Mechatronikerin

Sarah Dittmar ist Kfz-Mechatronikerin, und zwar mit Leib und Seele. Schon als Kind ist sie ihrem Vater beim Motorrad- und Autoreparieren zur Hand gegangen. Auch wenn es für sie nicht immer leicht war, sich als Frau neben vielen männlichen Kollegen durchzusetzen, rät sie doch allen Mädchen: "Glaubt an euch! Alles was ihr wollt, könnt ihr schaffen!"

Girls'Day: Beschreiben Sie bitte, welchen Beruf Sie ausüben und welche Tätigkeiten dieser beinhaltet.
Sarah Dittmar: Als Kfz-Mechatronikerin oder auch Technikermeisterin repariert man alles an einem Auto. Wenn man nichts repariert, dann tauscht man Teile aus oder sucht nach Ursachen für den aufgetretenen Fehler. Das kann eine elektrische Fehlersuche sein, Flüssigkeitsverlust suchen oder ob irgendetwas z. B. am Fahrwerk ausgeschlagen ist. Normale Servicearbeiten, wie ein Ölwechsel oder Austauschen von Verschleißteilen wie Bremsbeläge oder Kupplung, gehören natürlich auch dazu.

Sind Sie auf direktem Weg zu Ihrem Beruf gekommen und wussten schon früh, dass Sie diesen Beruf ergreifen möchten? Beschreiben Sie bitte andernfalls die wichtigsten Stationen bzw. den Wendepunkt Ihrer Berufslaufbahn.
Also zu diesem Beruf bin ich irgendwie durch meinen Vater gekommen. Er hat mich, seit ich denken kann, auf dem Motorrad mitgenommen und wenn an der Kawasaki – die ich jetzt übrigens fahre (lacht) – oder auch am Auto etwas repariert werden musste, hat er es meist selbst gemacht und mich daran teilhaben lassen. So wusste ich schon recht früh, dass dies mein Traumberuf ist.

Trotz Praktika, gesammelter Informationen, meinem Interesse und zahlreicher Bewerbungen wurde ich zu keinem Bewerbungsgespräch eingeladen. Teilweise bei persönlicher Abgabe der Bewerbungsunterlagen wurde ich – ohne dass diese gelesen wurden – abgewiesen. Dennoch, ich habe und wollte einfach nicht aufgeben. Durch einen Zufall bei einem Praktikum gelang ich endlich zu der ersehnten Lehrstelle.

Wie ist das Verhältnis von weiblichen und männlichen Kollegen in Ihrem Arbeitsumfeld?
Puh ... also generell würd ich sagen, passt es bei beiden. Aber die männlichen Kollegen haben da schon ein Problem. Ich kann gar nicht sagen, woran es genau liegt. Meine Vermutung: Das klassische Rollenbild ist immer noch in den Köpfen der Menschen. Das heißt, es gibt typische "Frauenberufe" oder typische "Männerberufe", was doch totaler Blödsinn ist. Ich finde, das Geschlecht sollte bei der Berufswahl keine Rolle spielen dürfen und doch ist es irgendwie so.

Leider habe ich viele negative Erfahrungen machen müssen. Als Frau in einer Männerdomäne ist es hart, aber man darf sich nicht unterkriegen lassen und muss denen zeigen, wo der Hammer hängt (lacht). Manche Männer fühlen sich vielleicht auch in gewisser Weise bedroht, was ihren Arbeitsplatz betrifft – ich weiß es nicht. Auf jeden Fall kommen sie nicht damit klar, dass eine jüngere, hübsche Frau mehr im Leben erreicht hat, als sie selbst. Und einen Satz hab ich mir besonders zu Herzen genommen: "Neid muss man sich verdienen".

Von welchen Personen haben Sie Unterstützung erfahren für Ihren Berufswunsch?
Von meiner Familie, meinen Freunden und meinem Freund.

Gab es ein Vorbild/Vorbilder, dem Sie in Ihrem Berufsleben gefolgt sind?
Mhhh ich denke nicht direkt, zumindest fällt mir grad niemand ein. Aber ich bin halt jemand, der gern Dinge anders macht bzw. nicht mit der Masse schwimmen möchte, auch wenn das bedeutet, dass es der schwierigere Weg ist.

Sind Sie andererseits auch auf Schwierigkeiten gestoßen vor, während oder nach Ihrer Ausbildung?
Ja immer wieder mal. Es gab sogar männliche Kunden, die nicht wollten, dass ich ihr Auto repariere.

Welche waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
In der Haupt- und Realschule war es wohl Kunst, obwohl mir Werken auch immer Spaß gemacht hat. Dann in der Ausbildung haben mir die praktischen Lehrgänge am meisten Freude bereitet.

Welche anderen Interessen waren ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Keine Ahnung ... mein Dad ist schuld (lacht).

Hatten Sie ein Motto während Ihrer Ausbildung? Wie lautet dieses?
"Lehrjahre sind keine Herrenjahre", "Zähne zusammen beißen und durch". Schließlich wusste ich ja, dass es nicht einfach wird und da bin ich ja selber schuld.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Beruf mit männlichen Kollegen gemacht?
Leider eher schlechte als gute. Obwohl man das natürlich nicht verallgemeinern darf! Nur sehen mich die meisten nicht als Respekts- oder Autoritätsperson, und das, obwohl ich nach der Meisterschule in einem Betrieb als mitarbeitende Werkstattleiterin tätig war. Die Lehrlinge sind mir auf der Nase rumgetanzt, Mitarbeiter haben mich hinter meinem Rücken schlechtgemacht und es wurde auch teilweise gelogen. Ich musste leider auf die harte Tour lernen, dass ich nicht respektiert werde. Die Chefs standen zwar teilweise schon hinter mir, aber da hat auch mein Wissen nichts gebracht. Selbst wenn man über 100 % gibt, und das muss man wohl in dieser Branche als Frau, hat das in meinem Fall nichts geändert.

Wie bewerten Sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Ihrem Beruf bzw. Berufsfeld?
Man kann in diesem Berufsfeld, wie auch in anderen, vieles miteinander vereinbaren.

Welche Pläne haben Sie für Ihre weitere Berufslaufbahn?
Ich möchte auf jeden Fall mal an Lehrgängen für Personalführung teilnehmen und über eine Selbstständigkeit denke ich bereits nach.

Hat das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, bereits einen Girls'Day ausgerichtet? Beschreiben Sie ggf. die Erfahrungen, welche Sie persönlich oder das Unternehmen am Girls'Day gemacht haben.
In der Fahrzeugentwicklung läuft das alles ein bisschen anders. Dennoch werde ich mal mit meinen Chefs reden, ob denn trotz Prototypenschutz (Erlkönige, das sind meist die weiß-schwarz beklebten Autos, die keiner sehen darf) die Möglichkeit bestünde.

Abschließend würden wir gerne von Ihnen wissen: Was raten Sie persönlich Mädchen und jungen Frauen, die einen technischen, naturwissenschaftlichen oder handwerklichen Beruf in Betracht ziehen?
Auf jeden Fall ganz viel Informationen über solche Berufe sammeln, sich selbst überlegen, wo die Stärken sind und woran man Spaß hat. Egal was vielleicht die Eltern, Lehrkräfte oder die Welt davon hält. Lasst euch ja nicht einreden, dass ihr etwas nicht könnt oder gerade weil ihr eine Frau seid, im Nachteil seid. Denn das ist nicht so. Glaubt an euch! Alles was ihr wollt, könnt ihr schaffen, wenn ihr fest an euch glaubt und es wirklich wollt!