11. April 2017 | Girls'Day
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Annedroids – Mädchen können doch alles!

Frau spricht vor Publikum

Dr. Maya Götz beim Netzwerktreffen 'Gemeinsam weitergehen' mit ihrem Vortrag über Rollenklischees in den Medien

Anne ist anders. Sie ist 11 Jahre alt, hochbegabt und hat ein ganz besonderes Hobby. Auf dem Schrottplatz ihres Vaters macht sie Experimente mit ihren selbstgebauten Erfindungen, Robotern und vor allem mit ihren Androiden HAND und EYES. Ihr dritter und neuester Android heißt  PAL – er ist geschlechtsneutral und so programmiert, dass er sich erst im Laufe der Zeit für ein Geschlecht entscheidet.

Eigentlich wollte sie ihr Geheimnis für sich behalten, aber eines Tages steht Nick, ein frisch zugezogener Junge aus der Nachbarschaft, in ihrer Werkstatt. Sofort ist er Feuer und Flamme für Annes Androiden und möchte unbedingt ihr Assistent werden. Kurze Zeit später stößt Shania dazu.

"Eine Figur wie Anne ist in Kinderserien und -filmen noch immer sehr ungewöhnlich", sagt Dr. Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungszentrum IZI und des Prix Jeunesse International. Es gebe mittlerweile zwar immer mehr Serien und Filme, in denen Mädchen Technikfreaks mimen, aber "die sind dann meist superschlank, superblond und superschön". Bei Anne von Annedroids ist das anders. Götz berichtet von einer ihrer Lieblingsszenen, ganz zu Beginn, in der sich der neue Nachbar auf das Grundstück von Anne schleicht, in ihrer Werkstatt landet und sie in ihrer Arbeitsmontur samt Schutzbrille sieht. Anne dreht sich um, lüftet das Visier und Nick sagt völlig perplex: "Du bist ein Mädchen." Anne antwortet: "Du bist ein Junge." "Diese Szene sagt mit wenigen Worten so unglaublich viel!", sagt Götz.

Nach wie vor ist die Berufswahl von Mädchen in Deutschland ausgesprochen geschlechterstereotyp. Medien hätten nach Götz' Auffassung eine große Chance, mehr Offenheit und Öffentlichkeit für Frauen in Technikberufen zu schaffen. "Sowohl in Deutschland als auch weltweit kommen Mädchen in Hauptrollen nicht nur deutlich seltener vor – auch ihre Leistungen liegen vor allem in einem stereotyp schönen Äußeren und Begabungen im sozialen Bereich", sagt Götz. "Haben die Figuren Kräfte, mit denen sie die Gesellschaft prägen können, so sind sie meist magisch bedingt, oft sind es Hexen, die ihre Kraft von der Mutter geerbt haben. Technik hingegen nutzen sie so gut wie nie."

Aber Annedroids ist anders. Angeregt durch die auf dem PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL 2010 vorgestellten Forschungsergebnisse zum ema Diversity wurde eine Sendung entwickelt, bei der ein 11- bzw. 12-jähriges Mädchen im Mittelpunkt steht, das begeistert Roboter und Androiden erfindet und naturwissenschaftliche Experimente durchführt. "Anfangs sollte Anne ein Junge sein. Aber Drehbuchautor und Regisseur JJ Johnson war vor den Forschungsergebnissen nachhaltig so beeindruckt, dass er aus dem Jungen Anne machte."

In Koproduktion von KiKA, Amazon Prime und tvo (Kanada) entstand eine Live-Action-Serie mit CGI-animierten Robotern. Gemeinsam mit ihren Freunden erlebt Anne Abenteuer, in denen sie sich mit den Zuschauerinnen und Zuschauern in jeder Folge einem naturwissenschaftlichen oder technischen Phänomen nähert, etwas über naturwissenschaftliche Vorgehen erfährt und zudem eine Menge über Freundschaft, Identität und Geschlechterkonstruktionen lernt.

Gezielt arbeitet die Sendung dabei Geschlechterklischees entgegen, stellt Stereotype infrage und vermittelt erlebnisorientiert Grundwissen im Bereich MINT. In jeder Folge Annedroids wird unter anderem eine Geschichte um einen naturwissenschaftlichen Inhalt erzählt. Durch Anne und ihr Experimentieren und Forschen werden außerdem naturwissenschaftliche Haltungen vorgelebt und benannt, zum Beispiel stellt sie Hypothesen auf, was passiert, und testet sie. "Und ganz wichtig sind die Fehler, die Anne immer wieder passieren", sagt Götz, "Fehler sind für sie ein wichtiger Teil des Forschungsprozesses und positiv zu sehen. Auch das nehmen Kinder aus der Sendung mit."

In einer Studie in den USA, Kanada und Deutschland wurde untersucht, ob die Serie der Technikferne von Mädchen entgegenwirken kann. Die Ergebnisse in den USA und Kanada waren vielversprechend, wir freuen uns schon jetzt auf die Daten aus Deutschland, die bald veröffentlicht werden!

www.maya-goetz.de
www.kika.de/annedroids

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