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Girls'Day im Bundespräsidialamt

Pauline und Johanna haben auf eigene Initiative hin den Wohnsitz des Bundespräsidenten besucht! Lest hier, wie es dazu kam und was sie dort erlebten! Ihr Bericht wurde sogar in der Zeitung veröffentlicht.

Artikel Westfaelischer Anzeiger

Es ist Donnerstagabend, 23. April, 18.30 Uhr, wir - Pauline Nolte und Johanna Simon - sitzen im ICE von Berlin nach Hamm und schreiben unsere Erlebnisse dieses Tages auf. Wir haben einen ganz besonderen Tag erlebt: Wir durften unseren Girls‘ Day im Bundespräsidialamt in Berlin verbringen!!! Und zwar nicht mit Dutzenden von anderen jungen Mädchen, sondern wir zwei ganz alleine. Wir sind noch ziemlich aufgewühlt, voll mit Informationen und Eindrücken und können es noch gar nicht richtig glauben. Aber jetzt erstmal ganz von vorne, denn alles begann so:

Die Idee zur Bewerbung entstand im letzten Jahr bei einem Wochenendtrip in die Bundeshauptstadt mit meiner Familie. Vom Tiergarten aus, in dem wir spazieren gingen, konnte man die Sicherheitsvorkehrungen sehen, mit denen das Schloss und auch das Bundespräsidialamt bewacht werden. Überall waren Polizisten, die das Gelände sicherten, alles ist mit hohen Zäunen umgeben und mit vielen Überwachungskameras ausgestattet. Wir haben uns gefragt, wie es wohl da drinnen aussieht, was der Bundespräsident so macht und auch die Leute, die für ihn arbeiten. Meine Mutter hatte die Idee, ich könne mich ja zum nächsten Girls’Day mal dort bewerben, die könnten meine Fragen sicher noch viel besser beantworten. Davon hab ich in der Schule Johanna erzählt, weil wir – wie schon im letzten Jahr – den Girls‘Day zusammen verbringen wollte. Johanna fand die Idee auch sofort klasse.

Zusammen mit meinem Vater schrieb ich eine Mail an Horst Köhler und bewarb mich darum, am Girls‘Day ins Bundespräsidialamt zu kommen. Gerne wollte ich zusammen mit meiner Freundin Johanna nach Berlin fahren und schrieb das auch so. Parallel dazu haben wir uns allerdings auch um eine Alternative gekümmert. Wir haben bei unserem Bürgermeister Manfred Gödde angefragt, ob wir ihn einen Tag bei seiner Arbeit begleiten können. Er hat sofort zugesagt, darüber haben wir uns sehr gefreut.
Kurze Zeit später bekam ich eine Antwort von Frau Stephanie Strätgen vom Referat Z 1 des Bundespräsidialamtes, die uns einlud, den Girls’Day im Bundespräsidialamt zu verbringen. Zuerst konnte ich gar nicht glauben, dass es tatsächlich klappen sollte. Sofort rief ich Johanna an und überbrachte ihr die tolle Nachricht. Wir haben uns riesig gefreut und sofort unsere Mütter überredet, mit uns nach Berlin zu fahren. Aber die konnten nach dieser Einladung natürlich gar nicht mehr „nein“ sagen. Bei Herrn Gödde mussten wir dann leider wieder absagen, was uns sehr Leid tat, aber das Angebot aus Berlin konnten wir einfach nicht abschlagen und dafür hatte auch Herr Gödde Verständnis.
Unsere Mütter haben Bahntickets gebucht und Hotelzimmer für uns gesucht. Endlich ging es dann am Mittwochmittag los – mit dem Regionalexpress von Soest nach Hamm und von dort mit dem ICE nach Berlin. Schon die Fahrt war sehr lustig, wir hatten uns jede Menge Proviant mitgenommen. Um 18 Uhr waren wir endlich in Berlin.
Wir sind vom Hotel natürlich sofort mit U- und S-Bahn ins Regierungsviertel gefahren. Haben schon mal einen Blick geworfen auf unseren morgigen Arbeitsplatz (jetzt noch vor dem hohen Zaun…), haben uns den Reichstag angeschaut, sind in die Reichstagskuppel gefahren und haben noch viele Fotos am Brandenburger Tor geschossen.

Am nächsten Tag mussten wir dann früh aus den Federn. Um 8.30 Uhr am Donnerstag haben wir uns vom Hotel aus auf den Weg gemacht zum Bundespräsidialamt, langsam wurden wir ganz schön nervös. An der Pforte mussten wir zunächst unsere Ausweise vorlegen und dann durch die Sicherheitskontrolle, das war so wie am Flughafen. Erst dann konnten wir zum Bundespräsidialamt. Frau Strätgen hat uns sehr freundlich in Empfang genommen und uns mitgenommen in den Konferenzraum. Da ist unsere Aufregung direkt ein bisschen verflogen. Sie hat uns dort die Strukturen im Bundespräsidialamt erklärt, welche Aufgaben die einzelnen Referate erledigen und was sie selbst für Aufgaben hat.

Der Amtssitz des Bundespräsidenten ist das Schloss Bellevue in Berlin. Bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben wird Bundespräsident Horst Köhler so wie seine Vorgänger von den Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes unterstützt. Im Juni 1991 hat der Bundestag entschieden, dass Berlin neuer Regierungssitz wird. Damals war Richard von Weizsäcker Bundespräsident. Er hat sich für einen Neubau des Bundespräsidialamtes neben dem Schloss Bellevue ausgesprochen. So wurde im März 1994 der erste Amtssitz des Bundespräsidenten nach Berlin verlegt. Nach zweijähriger Bauzeit war schließlich im November 1998 Dienstbeginn im neuen Amtsgebäude für die Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes.
Frau Strätgen hat uns erklärt, dass eigentlich nicht der Bundespräsident ihr Chef ist, sondern der Chef des Bundespräsidialamtes. Aber alle Mitarbeiter im Amt – und das sind immerhin 175 – arbeiten dem Bundespräsidenten zu. Alle Jobs – auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so erscheinen – sind für die Arbeit des Bundespräsidenten wichtig.

Dann ist sie mit uns rüber gegangen ins Schloss Bellevue zum persönlichen Büro des Bundespräsidenten. Dort arbeitet eine Dame, die die Leiterin des persönlichen Büros von Horst Köhler ist. Alle Briefe an Horst Köhler landen auf ihrem Schreibtisch. Die Mitarbeiterin führt auch den Terminkalender.

Dann haben wir einen Rundgang durch das Schloss Bellevue gemacht. Das war sehr beeindruckend und hat uns super gefallen. Wir waren zuerst in einem Warteraum, in dem Bilder von den ehemaligen Bundespräsidenten und deren Familien hingen. So führten wir unseren Rundgang durch das Schloss fort. Wir haben den Langhanssaal gesehen, in dem immer der Neujahrsempfang stattfindet und Empfänge des Bundespräsidenten und seiner Frau Eva-Luise Köhler. Die Räume waren alle sehr groß und schlicht, hatten meistens riesige Kronleuchter und es gab sehr viele große Bilder. Die Salons I und II sind beide in dem 50-er Jahre Stil erhalten geblieben. In dem großen Saal hingen zwei große Kissengemälde in gelb und lila. Das persönliche Büro des Bundespräsidenten durften wir leider nicht sehen, aber wir durften in sein Amtszimmer schauen, wo der Bundespräsident seine Gäste zum Gespräch empfängt. Wir haben überall ganz viele Fotos gemacht, so schnell kommen wir sicher nicht wieder ins Schloss. Danach sind wir wieder rüber ins Amt gegangen.

Im Bundespräsidialamt sind Männer und Frauen bei der Arbeit gleichberechtigt. So gibt es auch Frauen in Führungspositionen, das finden wir gerecht und es macht diesen Job sympathisch. Viele Frauen, die eine wichtige Position im Bundespräsidialamt haben, haben sich für uns Zeit genommen und von ihrer Arbeit erzählt. Das war sehr interessant für uns.

Was wir auch total spannend fanden war, dass der Bundespräsident im Jahr ungefähr 2400 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verleiht, davon händigt Horst Köhler selber ca. 200 aus. Der Bundespräsident hat vorgegeben, dass mindestens 30% der Orden an Frauen verliehen werden sollen.

Großen Wert legt der Bundespräsident auch darauf, dass für Frauen die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie gegeben ist. Das Bundespräsidialamt hat sich dafür sogar zertifizieren lassen.

Die Mitarbeiterinnen in Führungspositionen haben uns erklärt, wie sie zum Bundespräsidialamt gekommen sind, welche Ausbildung oder welches Studium sie absolviert haben. Wir haben den Eindruck, dass es für Frauen sehr toll ist hier zu arbeiten. Alle machen einen sehr zufriedenen Eindruck und sind glücklich in ihrem Job. Aus allen Bundesländern der Republik sind Mitarbeiter im Amt vertreten. Das macht die Zusammenarbeit sicher sehr spannend.

Gegen 16 Uhr war ein für uns sehr spannender Girls‘Day im Bundespräsidialamt beendet. Frau Strätgen hat uns dann verabschiedet und uns noch viele Erinnerungen und Informationsmaterialen mitgegeben. Alle haben sich sehr viel Mühe gegeben, haben uns mit vielen Informationen versorgt und uns Dinge gezeigt, die man normalerweise nie zu sehen bekommt. Leider haben wir Horst Köhler persönlich nicht getroffen, er war an diesem Tag zur Eröffnung der Bundesgartenschau in Schwerin. Aber wir haben einen interessanten Einblick in seine Arbeit bekommen und seinen Amtssitz kennen gelernt sowie einige seiner Mitarbeiter. Leider müssen wir jetzt noch am selben Tag zurück nach Warstein, da am Freitag der Schulalltag auf uns wartet. Aber diesen Tag im Bundespräsidialamt werden wir sicher nie vergessen.