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Frauenpower lohnt sich für alle!

Gute Beispiele Michael Dilla Beumer Group

Die Beumer Maschinenfabrik GmbH & Co. KG bildet im technischen Bereich die Konstruktionsmechanikerin, Industriemechanikerin, Energieelektronikerin, Zerspanungsmechanikerin, Mechatronikerin, Fachkraft für Lagerlogistik aus und daneben gibt es außerdem den Beruf der Fachinformatikerin. Mittlerweile stellt die Beumer Group fünf Mädchen pro Jahr in den technischen Ausbildungsberufen ein – bei  jährlich 15 Ausbildungsstellen eine Quote von 33,3 Prozent. Das ist auch auf den Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag zurückzuführen, ist Michael Dilla, Ausbildungsleiter bei der Beumer Maschinenfabrik in Beckum, überzeugt.

Girls'Day: Was hat bei Ihnen das Interesse geweckt, am Girls'Day teilzunehmen.

Michael Dilla: Anfang 2000 sind die Ausbildungszahlen durch die Asienkrise stark zurückgegangen. Wir haben damals gesagt, dass wir uns hier am Standort für das Thema Ausbildung stark machen wollen. In diesem Zuge haben wir entschlossen, ein neues Ausbildungszentrum zu bauen. Und: Wir wollten weg von dem Klischee, dass nur Männer in diesen Berufen arbeiten. Wir haben uns darauf vorbereitet, dass es in Zukunft auch Mädchen geben wird, die in diesen Ausbildungsberufen arbeiten werden. Deswegen haben wir die Umkleideräume, die Duschen und sonstigen sanitären Anlagen für die Mädchen gleich mitgebaut. Das war eigentlich der Grundstein. Und der Grundgedanke war: Wir wollen etwas Neues ausprobieren.

Und das haben Sie gemacht.

Genau. 2004 haben wir das erste Mal am Girls'Day teilgenommen. Und von Anfang an hatten wir das Haus voller Gäste.  In den Anfängen war es so, dass wir noch nicht auf die Girls‘Day-Seite zurückgreifen konnten. Mittlerweile ist es ja so perfektioniert, dass wir nur noch 15 Plätze online und die restlichen 10 bis 15 Plätze hier hausintern an die Töchter von Angestellten vergeben.

Achten Sie bei den Angeboten auf das Alter – bieten Sie unterschiedliche Workshops an?

Das wird sehr stark von den Lehrkräften an den Schulen gesteuert, die ihre Schülerinnen darauf aufmerksam machen, dass sie sich am Girls'Day beteiligen können. In der Vergangenheit waren das häufig Mädchen aus der 8. oder 9. Klasse, die sich bei uns beworben haben. Und das klappt gut. Wir stellen das Angebot online und schon wenige Tage später sind wir ausgebucht.

Was meinen Sie, woran liegt das?

Ich denke, das liegt vor allem daran, dass sich die Region hier noch nicht so stark am Girls'Day beteiligt. Es gibt Betriebe, die sich beteiligen, aber nicht mit so vielen Mädchen oder eben ohne das Portal. Das ist für die Mädchen nicht sofort sichtbar und in der Statistik taucht es auch nicht auf. Darüber hinaus erfreut sich die Veranstaltung in unserem Hause größter Beliebtheit, was sich von Schülerin zu Schülerin bereits rumgesprochen hat.

Was bieten Sie denn den Mädchen genau an, wenn sie bei Ihnen sind am Girls'Day?

Erst einmal werden die Mädels herzlich begrüßt, dann stellen wir ihnen anhand einer Präsentation und eines Imagefilms das Unternehmen vor – damit sie überhaupt wissen, wo sie sich überhaupt aufhalten. Dann gibt es noch ein paar Regeln, die einzuhalten sind: Arbeitssicherheit spielt eine große Rolle, denn es soll am Ende ja auch keinem etwas passieren. Wir starten dann sofort in sechs unterschiedlichen Workshops.

Die Mädchen können sich praktisch erproben?

Ja, sie können unter anderem pneumatische  Steuerungen aufbauen, sie programmieren und ausprobieren. Dann gibt es verschiedene Krananlagen, die nach einer Zeichnung  demontiert und anschließend mithilfe von Positionsnummern und Stücklisten in einer anderen Reihenfolge neu montiert werden sollen. Das ist schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Mädchen können außerdem ihre eigene Design-Uhr an einem 3D CAD-Gerät entwerfen. Die Uhr wird aus zwei Edelstahlblechen gekantet, es werden Löcher gebohrt und ein Uhrwerk eingesetzt. Diese Uhr nehmen die Mädchen natürlich hinterher mit nach Hause. Ein weiterer Workshop beschäftigt sich mit IT.

Wer betreut die Workshops?

Die Workshops werden jeweils von zwei bis drei Auszubildenden betreut, Mädchen sind da meist auch mit dabei.

Eine tolle Idee . . .

Ja, wir sagen, wenn sie sich auf Augenhöhe begegnen, dann ist das authentischer. Während des ganzen Tages machen die Auszubildenden Fotos von den Mädchen in Aktion. Diese binden wir dann in die Abschlusspräsentation ein, wo wir auf unsere Ausbildungsberufe näher eingehen: Wie sieht es mit Weiterbildung aus, wie mit Stipendien und, was wir von den Schülerinnen erwarten, die zu uns kommen, welche Fächer sind da besonders wichtig, etc, etc. Zum Abschied bekommen die Mädchen dann noch Geschenke von uns: USB-Sticks, kleine Taschenlampen, Schreibsets und solche Sachen. Am Ende sind alle hellauf begeistert. Es gibt immer noch ein gemeinsames Foto für die Pressearbeit und auch als Erinnerung. Und dann ist der Tag eigentlich auch schon wieder zu ende. Das geht immer rasend schnell. Der einzige Wehmutstropfen ist,  das wir uns am Ende fragen, wo bleibt da die Nachhaltigkeit. Warum nicht öfter so ein Tag in kürzeren Abständen über das Jahr verteilt?

Warum?

Wir stellen fest, solche einmaligen Aktionen puffen kurz auf als helles Licht, aber es wird leider auch genauso schnell wieder dunkel. Es hat sich zwar gezeigt, dass sich die Bewerbungszahlen von Mädchen sich verbessert haben, wesentlich sogar. Aber ich glaube, dass viel mehr Potenzial da wäre, wenn man den Tag öfter im Jahr wiederholen könnte.

Und welchen Beruf wählen die Mädchen, wenn sie sich für eine Ausbildung in Ihrem Haus entscheiden?

Das ist tatsächlich bunt gemischt. Es sind viele Gymnasiastinnen dabei, weil sie erkannt haben, dass sie über die Ausbildung in den Genuss einer Förderung im Studium zu kommen. Die Mädchen träumen dann natürlich davon, das Stipendium in Anspruch nehmen zu können.

Das Programm ist durchdacht und gut strukturiert. War das von Anfang an so?

Wir sind angefangen mit einfachen Workshops, nicht so viele, nicht so anspruchsvoll. Es waren die üblichen Metallverarbeitungssituationen, wo die Schülerinnen erste Säge- und Feilübungen machten. Das war nicht besonders ansprechend für die Mädchen. Erst mit dem Bau des neuen Ausbildungszentrums, mit neuen Maschinen, Hallen und Strukturen wussten wir:  Jetzt können wir die Mädchen vernünftig betreuen. Ich glaube, das ist etwas, was uns heute auch positiv in die Karten spielt, dass die Leute schauen, wie ist das Wohlfühlambiente, wie ist das Arbeitsklima und das menschliche Miteinander. Wir haben ein ganz junges Ausbildungsteam, die von der Ausbildung im eigenen Haus über die Weiterbildung hier bei uns im Ausbildungsbereich mitarbeiten. Das funktioniert toll.

Das heißt, die Investitionen, die Sie in Gebäude und Infrastruktur, wie auch den Girls'Day, tätigen – bekommen Sie dann so zurück?

Ja natürlich. Das Konzept ist so aufgestellt, dass wir keinen verpflichten. Aber es ist ja so, wo Menschen sich wohlfühlen, da bleiben sie auch gerne. Das Gesamtpaket muss stimmen. Da hilft es nicht, schöne Plakate zu drucken oder schöne Flyer herzustellen, sondern das müssen sie leben. Und das ist uns geglückt!

Haben Sie denn noch eine Empfehlung, sich am Girls'Day zu beteiligen?

Nur Mut, einfach mitmachen. Man kann nichts falsch machen. Man lernt daraus – natürlich kann man sich hier und da verrennen, aber man merkt dann doch sehr, sehr schnell, wenn man sich selber evaluiert: ok hier muss man was verändern, da muss man was verändern. Aufgaben an die Hand geben, wo die Mädchen selber tüfteln müssen, sich ausprobieren können, wo sie sehr viel Spaß bei entwickeln können. Mädchen haben eine unwahrscheinlich kreative Ader, sind mathematisch sehr, sehr stark, sind lernwillig, haben eine höhere Leistungsbereitschaft als Jungen – das wissen wir aber nicht erst schon seit heute. PISA hat uns ganz klar vor Augen geführt, dass das Lernverhalten von Mädchen weit ausgeprägter ist als das von Jungen (…)

Der Girls'Day ist also eine Chance – nicht nur für die Mädchen?

Wer für sein Unternehmen den Anspruch stellt, dass man Weltmarktführer sein möchte, dass man sich von der Konkurrenz abhebt und die Besten einstellt – dann sind das eben die Mädchen, das muss man ganz neidlos anerkennen.  Und deswegen muss die Berufswelt weiblicher werden. Das war damals unser Ausgangspunkt. Und das ist für die Firmen, die diesen Schritt noch nicht gemacht haben immer noch so. Man kann sich nicht vor 50 Prozent der Bewerber verschließen, nur weil man meint, man müsste nur Männer einstellen. Dieser Gedanke ist veraltet und heute nicht mehr Zeitgemäß.  Wenn in der reinen Männerdomäne auf einmal eine Frau mit dabei ist, führt das außerdem dazu, dass es ein freundlicheres, ein harmonischeres Miteinander ist. Also ich kann nur sagen: Fast alle Firmen beklagen sich über Nachwuchsprobleme und daher sind wir dankbar für jede Frau im Betrieb. Mein Tipp: Probieren Sie es einfach aus! Frauenpower lohnt sich für alle!

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