Waltraud Bube ist Lehrerin für Chemie und Biologie sowie Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen an ihrer Schule. Sie arbeitet am Bodensee-Gymnasium in Lindau, das die Schwerpunkte Naturwissenschaften-Technologie, Wirtschaft- und Sozialwissenschaften sowie Sprachen hat.
Seit wann beteiligen Sie sich am Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag?
Unsere Schule beteiligt sich seit 2008 am Girls’Day.
Wie haben Sie den Tag organisiert? Wie haben Sie die Vor- und Nachbereitung des Girls’Days gestaltet?
Im Februar wurden alle Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 10 mündlich und über Aushänge und Plakate in den Klassenzimmern und im Schulhaus informiert. Jedes Mädchen erhielt zudem einen Flyer. Nach dem Girls’Day trafen sich alle Teilnehmer mit mir zu einem Erfahrungsaustausch.
Wie haben die Mädchen ihre Plätze gefunden?
Die Mädchen waren sehr selbständig und kreativ bei der Platzsuche, allerdings erhielten nicht alle interessierten Mädchen auch einen Platz. Es gab in unserer Region ein zu geringes Angebot – die angebotenen Plätze waren sehr schnell von Schülerinnen anderer Schulen besetzt. Darüber hinaus waren manche Orte für die jüngeren Mädchen verkehrsmäßig schwer erreichbar. Trotzdem nahmen einige Schülerinnen der 10. Klasse Angebote in Ulm und Stuttgart (zum Teil durch Fahrdienste der Mütter) wahr.
Hatte der Girls’Day „Nachwirkungen“?
Auf jeden Fall war es für die beteiligten Mädchen eine sehr interessante und kurzweilige Erfahrung, auch wenn einige Teilnehmerinnen meinten, dass sie jetzt wüssten, was sie beruflich nicht machen möchten. Insgesamt beobachte ich, dass der Girls’Day zunehmend von unseren Schülerinnen wahrgenommen wird und hoffe, dass sich in den kommenden Jahren immer mehr Schülerinnen daran beteiligen.
Welche Rolle spielt der Girls’Day an Ihrer Schule? Wie wird Berufsorientierung an Ihrer Schule umgesetzt?
Zurzeit spielt der Girls’Day noch eine eher kleine Rolle in Bezug auf das Thema Berufsorientierung. Von den ca. 190 angesprochenen Schülerinnen an unserer Schule erhielten 2008 zwei Schülerinnen und 2009 13 Schülerinnen im Anschluss an den Girls'Day einen Praktikumsplatz.
Zur Berufsorientierung tragen außer dem Fachunterricht Ferienpraktika (Vermittlung durch den Elternbeirat) und in der Oberstufe verschiedene berufsorientierende Angebote bei.
Was raten Sie anderen Lehrerinnen und Lehrern, die den Girls’Day an ihrer Schule durchführen möchten?
Umfassende und vor allem rechtzeitige Information über den Girls’Day – am besten schon im Januar/Februar.
Wie kann verhindert werden, dass Mädchen ihre Fähigkeiten in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern unterschätzen? Welche Maßnahmen werden dazu an Ihrer Schule ergriffen?
Die Möglichkeit, in kleinen Gruppen zu experimentieren wird im Fach Natur und Technik und in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften sehr gefördert. Durch Lob und Anerkennung versuchen die Lehrerinnen und Lehrer ihre Schülerinnen zu ermutigen und für die Wahl der naturwissenschaftlich-technologischen Ausbildungsrichtung zu begeistern.
Warum sollte es Ihrer Meinung nach einen Girls’Day geben?
Der Girls’Day ermöglicht Schülerinnen und auch ihren Eltern Einblicke in neue oder nicht bekannte Berufe. Er kann dadurch helfen, das traditionelle Rollendenken aufzubrechen.
Was haben die Jungen am Girls’Day gemacht?
Obwohl bei der Information auch auf die Webseite „Neue Wege für Jungs“ hingewiesen wurde, hat meines Wissens keiner der Schüler von den Angeboten Gebrauch gemacht.

















