Annika hat, nach dem sie die Realschule abgeschlossen hat, 2007 mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Industriemechanikerin Fachrichtung Betriebstechnik begonnen. Ihren Ausbildungsbetrieb, Stadtwerke Gütersloh, hat sie schon ein Jahr zuvor am Girls’Day kennengelernt und konnte sich so im Voraus über die Tätigkeiten im Beruf informieren.
Wie bist du auf den Girls’Day aufmerksam geworden?
Meine Mutter ist darauf aufmerksam geworden, sie hat mir das im Internet gezeigt. Wir haben darüber gesprochen und dann habe ich mich angemeldet.
Wo warst du am Girls’Day?
Meinen Girls’Day habe ich bei den Stadtwerken Gütersloh in der Zentralwerkstatt verbracht.
Warum hast du dich für diesen Girls’Day-Platz entschieden?
Ich habe aus reiner Neugier und einem Bauchgefühl für diesen Girls’Day-Platz entschieden.
Haben sich für den besuchten Betrieb viele Mädchen interessiert, waren viele da? Warum, glaubst du, hast du dir dieses Angebot ausgesucht, andere aber nicht? Interessieren sich die anderen auch, aber trauen sich nicht?
Wir waren drei Mädchen in der Zentralwerksatt und insgesamt waren fünf oder sechs Mädchen da. Ich habe mir dieses Angebot ausgesucht, weil ich mir noch nicht ganz sicher war, ob ich wirklich einen technischen Beruf lernen soll oder nicht. Andere haben dieses Angebot nicht angenommen, weil sie vielleicht schon genau wussten, was sie machen wollten oder sich dafür nicht interessieren. Aber es gibt keinen Grund, sich nicht zu trauen. Es ist doch nur für einen Tag.
Wie war dein Girls’Day?
Meinen Girls’Day fand ich super klasse. Es hat mir riesigen Spaß gemacht und das hat sich bis jetzt auch nicht geändert.
Was hast du konkret am Girls'Day gemacht?
Zuerst haben wir uns vorgestellt. Danach wurde uns der Betrieb gezeigt. Es erfolgte eine Aufteilung in die Abteilungen, für die wir uns angemeldet haben. Dann haben wir eine Zeichnung von einem Bauteil erstellt. Anschließend gingen wir in die Werkstatt und durften ein Mühlespiel herstellen. Dafür haben wir die Linien selbst gemeißelt und die Radien gefeilet, d. h. die Ecken wurden rund gefeilt. Das Mühlespiel wurde aus Aluminium hergestellt. Zum Ende des Tages konnten wir das Spiel mit nach Hause nehmen.
Wie findest du den Girls'Day?
Ich finde der Girls’Day ist eine gute Möglichkeit, dass Mädchen auch mal in typische Männerberufe schnuppern können. Es ist gut, das man die Möglichkeit hat, selbst etwas zu machen, statt es nur beschrieben zu bekommen.
Was hat dich auf die Idee gebracht, dich für die Ausbildung zu entscheiden?
Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, weil ich ein Praktikum im Büro absolviert habe und das hat mir gar nicht gefallen. Ich habe mich im Internet über verschiedene Berufe schlau gemacht und anhand der Berufsbeschreibung habe ich mich für den Beruf Industriemechanikerin entschieden.
Hast du dich schon vor dem Girls’Day für diesen Bereich interessiert?
Nach dem nicht so guten Praktikum stand für mich fest, dass ich keine Ausbildung im Büro machen will und der Girls’Day hat mich in meiner Entscheidung bestärkt.
Was hat dich am Bereich Technik bzw. Naturwissenschaften interessiert?
Am Bereich Technik interessiert mich, wie man mit seinen eigenen Händen Werkstücke bearbeiten, verarbeiten und verändern kann. Außerdem macht es mir Spaß an Maschinen zu arbeiten.
Woher, meinst du, kommt dein Interesse?
Ich habe immer schon gerne Sachen auseinander und wieder zusammen gebaut. Wenn was an meinem Fahrrad kaputt war, habe ich immer wieder versucht nach Anleitung durch meinen Papa alles selbst zu reparieren.
Hast du Unterstützung von anderen bei deiner Wahl erfahren? Gab es kritische Stimmen?
Unterstützung habe ich von meinen Eltern bekommen. Sie haben verstanden, warum ich mich für das Handwerk entschieden habe und stehen zu meiner Entscheidung. Kritische Stimmen kamen von einigen Klassenkameraden, aber davon habe ich mich nicht wirklich beeindrucken lassen, weil es meine Entscheidung ist.
Welche Rolle spielte der Girls’Day für deine Berufswahl?
Der Girls’Day hat mich in meiner Entscheidung für den Beruf bestärkt. Ich habe am Nachmittag sehen können, was ich mit meinen eigenen Händen geschaffen habe.
Wie lief deine Bewerbung ab? War es durch den Girls’Day einfacher?
Ich habe mich beim BIZ angemeldet und habe von dort einige Adressen von Betrieben bekommen, die Auszubildende suchen. Da waren auch immer die Stadtwerke dabei. Ich habe mich dann auch dort beworben. Nach einiger Zeit bekam ich eine Einladung zum Einstellungstest und dann zum Vorstellungsgespräch. Nach ein paar Tagen des Wartens bekam ich dann die Zusage für meinen Ausbildungsplatz. Ich weiß nicht ob ich einen kleinen Vorteil hatte, weil ich am Girls’Day teilgenommen habe.
Hast du dich auf mehrere Stellen beworben? In welchen Bereichen?
Ich habe mich natürlich auf mehrere handwerkliche Berufe beworben. Ich habe mir da mehrer Optionen offen gehalten. Unter anderem habe ich mich auch in der Holzindustrie beworben. Hauptsächlich lagen die Bewerbungen im Metall- und Holzbereich. Aber auch als Mechatronikerin hatte ich mich beworben. Man sollte sich da nicht unbedingt auf eine Richtung festlegen sondern offen sein.
Was findest du an deinem Beruf interessant?
Interessant finde alles. Vor allem finde ich es toll, dass ich abends sehen kann, was ich gemacht habe. Es fasziniert mich, wie aus einzelnen Teilen etwas großes wird. Ich finde es interessant, an verschiedenen Maschinen zu arbeiten, wie Fräse und Bohrmaschine.
Was sind die Vor- und Nachteile des Berufs?
Vorteilhaft ist, dass ich auf meinen Beruf noch in verschiedene Richtungen aufbauen kann. Ich kann mein Abi machen und dann ein Ingenieursstudium anschließen. Ich kann meinen Meister machen, mich als Ausbilder qualifizieren. Es gibt viele Möglichkeiten. Ein Nachteil ist, dass der Beruf manchmal schon schwer sein kann. Aber man kann sich da durchbeißen.
Wie viele Azubis gibt es in deinem Betrieb? Wie viele davon sind junge Frauen? Arbeiten in deinem Betrieb vor allem Männer? Gibt es Vorteile, Nachteile?
Im ganzen Betrieb gibt es ca. 30 Auszubildende. Davon sind ca. die Hälfte Mädchen, im technischen Bereich gibt es jedoch überwiegend Männer. Ich weiß nicht, ob es Vor- und Nachteile gibt. Das ist Ansichtssache. Ich habe bei „meinen Männern“ manchmal schon einen kleinen Vorteil, z. B. wenn das Bohrfutter zu fest sitz, dann helfen sie mir schon. Ob sie einem Jungen helfen würden, kann ich nicht sagen.
Welche Voraussetzungen muss man nach deiner Einschätzung für den Beruf mitbringen?
Eine Voraussetzung für den Beruf ist, dass man genau arbeiten muss. Man muss sic nichts draus machen, dass einem mal Splitter in die Finger pieken oder Späne um die Ohren fliegen. Man darf ich nichts daraus machen, dass man nach Metall riecht. In einem Männerberuf herrscht auch mal ein rauer Ton, man sollte also nicht zu sensibel sein. Und es ist natürlich nicht so sauber wie in einem Büro.
Ist dein Beruf ein „Männerberuf“? Ist es schwieriger für eine junge Frau, in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten?
Ja, noch ist er ein überwiegend männlich besetzter Beruf. Aber ich hoffe, dass sich immer mehr Mädchen auch für diesen Beruf entscheiden. Es ist schon schwierig für ein Mädchen in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten, weil die Männer immer noch meinen, dass Frauen dort nicht hingehören oder es nicht schafen. Wenn man ein gutes Selbstbewusstsein hat, kann man den Männern aber das Gegenteil beweisen und gute Abriet leisten. Männer geben ihr Territorium nur ungern an Mädchen ab, aber es gibt auch männliches Pflegepersonal im Krankenhaus oder Altenheim. Und die Frauen haben da auch kein Problem mit. Jeder sollte nach seinen Interessen und Fähigkeiten seinen Beruf auswählen.
Warum arbeiten nach deiner Einschätzung so wenige junge Frauen in technischen, informationstechnischen etc. Berufen?
Viele Mädchen wissen vielleicht nicht genug über die Berufsbilder in technischen Berufen. Sie haben vielleicht Angst, dass sie den Anforderungen nicht gerecht werden. Sie wolle sich vielleicht nicht dreckig machen, nicht schwer körperlich arbeiten. Sie trauen sich vielleicht nicht zu, Maschinen zu bedienen oder zu schweißen. Die Mädchen selbst sollten sich mehr zutrauen. Man kann auch als Mädchen erfolgreich in einem „Männerberuf“ arbeite.
Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Mädchen Berufe in Technik, Naturwissenschaften, IT und Handwerk wählen?
Meiner Meinung nach müsste sich nur ändern, dass die anderen Mädchen sich mehr zutrauen und sich am Girls’Day anmelden oder einfach mal ein Praktikum machen. Einfach mal was Neues ausprobieren.
Welche Aktionen hältst du, z.B. in Schulen und Betrieben, für sinnvoll damit mehr junge Frauen einen Beruf in Technik oder Naturwissenschaften wählen? An welche verschiedenen Gruppen sollten sich die Aktionen richten: an Mädchen, an Eltern, an Lehrer/innen, an die Öffentlichkeit?
Ich finde die Aktionen, die bisher so angeboten werden an Schulen etc, sind schon gut. Der Girls’Day sollte auf jeden Fall weiterhin bestehen bleiben, weil die Mädchen da auch mal Hand anlegen können.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich meine Ausbildung gut abschließe und dann einen vernünftigen Arbeitsplatz finde. Vielleicht bei den Stadtwerken, wer weiß was bis dahin passiert. Vielleicht mache ich im Anschluss noch ein Studium, mal sehen. Auf jeden Fall würde ich mir wünschen, dass im nächsten Ausbildungsjahr noch ein Mädchen in die Zentralwerkstatt kommt.
















