Girls'Day beim Badminton Landesverband NRW
Lena hat am Girls'Day den Badminton Landesverband NRW in Mühlheim besucht und durfte den Cheflandestrainer der Jugend bei seiner Arbeit begleiten. Nicht nur Sport stand auf dem Programm – auch einiges an Büroarbeiten musste erledigt werden. Aber natürlich stand Badminton im Mittelpunkt und am Ende musste Lena auch selber ran!
Außerdem hat sie ein ausführliches Interview mit Marcus Busch über seine Arbeit geführt. Lest selbst...
Ich habe meinen Girls'Day beim Badminton Landesverband NRW in Mülheim verbracht. Dort konnte ich dem derzeitigen Chef-Landestrainer der Jugend Marcus Busch einen Tag lang über die Schulter gucken und auch selbst 'arbeiten'. Um 8.00 Uhr ging es los. Von 08:00-10:30 Uhr haben wir Büroarbeit gemacht. Zuerst habe ich Marcus ein bisschen zugesehen, doch nach einiger Zeit hat er mich auch arbeiten lassen. Ich durfte:
- Die Abrechnung für den U13 Gruppenpokal vom 08.-10.04.2011 machen.
- Die Personen, die dem DBV-Bundeskader der Jugend angehören, heraussuchen/recherchieren.
- Von der Geschäftsstelle die sportmedizinischen Untersuchungsunterlagen holen.
Danach (also von 11.00-13.00 Uhr) traf sich das Landestrainerteam zu einer Besprechung. Dabei haben wir zu Mittag gegessen. Es wurde besprochen:
- Wer welches Training gibt.
- Wer zur Sportmedizinischen-Untersuchung gehen darf/muss.
- Ob Athletiktraining bei den U13ern gemacht werden soll
Wieder im Büro habe ich ein Interview mit Marcus gemacht:
Lena:Was macht dir besonders Spaß an deinem Job als Trainer?
Marcus: Die Arbeit mit Menschen und besonders die Arbeit mit Jugendlichen. Es ist spannend und ganz nebenbei ist die Arbeit natürlich auch ein bisschen Hobby. Es macht das Hobby zum Beruf und Badminton ist ja eine schöne Sache.
Lena::Wie bist du zu dem Job gekommen oder wolltest du schon immer Landestrainer werden?
Marcus: Ich hab früher selber gespielt und schon in jungen Jahren hab ich angefangen auch Training zu geben. Ich hab schnell gemerkt, dass ich das sogar besser kann als selber spielen. Ich mach' das mittlerweile seit 18/19 Jahren, also seit 20 Jahren gebe ich Training und seit 18/19 Jahren mache ich das hauptberuflich. Ich war auch eine Zeit lang Bundestrainer und jetzt Landestrainer. Das wollte ich eigentlich schon immer.
Lena: Wie viel verdienst du so dabei?
Marcus: (überlegt) Ich arbeite hauptberuflich als Landestrainer, als volle Stelle. Ich wüsste es gerade selber gern, so 3.000 oder 3.500 Euro brutto.
Lena: Wie lange arbeitest du so am Tag?
Marcus: Viel zu lange. Normal ist, dass unser frühestes Training um kurz nach sieben beginnt, normal wäre um acht und unser spätestes Training endet so zwischen acht/halb neun. Das heißt also spätestens um viertel vor sieben/sieben muss man das Haus verlassen und frühestens um neun/halb zehn/zehn kommt man wieder.
Lena : Welche Voraussetzungen musstest du erfüllen um in den Beruf einzusteigen?
Marcus: (überlegt) Das ist eine gute Frage. Ich glaube man kann im Landesverband erst arbeiten,wenn man B-Trainer ist. Ich selber hab jetzt alle Trainer-Lizenzen gemacht im Badminton, das heißt C, B und A. Dann habe ich das ganze noch studiert: Ich bin also ein Diplomtrainer, was man an der Trainer Akademie in Köln studieren kann. Das heißt man ist dann Trainer für den Hochleistungs- und Spitzenbereich. Ich hab daneben noch ein paar andere Neben- und Zusatzsachen besonders im Athletikbereich gemacht, also alles, was man so an Trainerlizenzen und Ausbildung erwerben kann, habe ich gemacht.
Lena : Und welche Aufgaben hast du dann hier so?
Marcus: Chef von dem ganzen Ding zu sein: Das heißt ab der Grundschulsichtung bis wir die Leute möglichst an die Bundesstützpunkte gebracht haben, wenn die so 19-20 sind, die Verantwortung zu haben. Das Internat hier zu leiten: Das heißt die Leute, die hier sind um professionelles Badminton zu machen, für die alles zu organisieren.Die ganze Sportpolitik, das bedeutet mit dem Deutschen-Badminton-Verband mit dem Landessportbund zu kommunizieren, was Badminton angeht. Die Kommunikation und Arbeit mit dem Deutschen-Badminton-Verband, mit unserem eigenen Verband, mit den Vereinen und nebenbei auch noch ein bisschen Training.
Lena : Also bist du eher im Büro als in der Halle?
Marcus: Was ist dein Eindruck? Ja, leider, das ist jetzt der Unterschied zu vorher, vorher war ich sicherlich der Mensch, der ganz viel in der Halle gemacht hat, also ganz viel Training und jetzt im Moment wandelt sich das zu ganz viel Politik und Orga (Abkürzung für: Organisation) und ein bisschen weniger Halle. Aber ich hoffe das spielt sich noch ein, ich gebe ja schon ganz gerne Training.
Lena : Gibt es viele Möglichkeiten als hauptamtlicher Trainer zu arbeiten?
Marcus: Mittlerweile gibt es in Deutschland übrigens echt ein paar, das war vor ein paar Jahren noch nicht so. Mittlerweile hat fast jeder Landesverband so eine hauptamtliche Trainerstelle. Es gibt im DBV noch die ein oder andere als Bundestrainer oder als Co-Trainer und jetzt so ganz langsam entwickelt es sich sogar dahin, dass es auch schon 2-3 Vereine gibt, die sich nach hauptamtliche Trainern umgucken. Mehr als 20, 25, 30 werden es trotzdem nicht sein.
Lena : Mir ist aufgefallen, dass hier nur ein Drittel der Landestrainer Frauen sind?
Marcus: Ein Drittel ist es was NRW angeht; bei drei Landestrainern eine Frau, das war uns auch sehr, sehr wichtig. Hier im Standort arbeiten neun Trainer hauptberuflich jeden Tag, davon ist es auch nur eine Frau, also ist es schon was weniger. Ich glaube auf das deutsche Badminton betrachtet, ist die Quote erschreckend. Es gibt ganz wenig Frauen, die das machen und, ja, jede ist so was von herzlich aufgenommen, weil wir händeringend nach weiblichen Trainerinnen suchen, die halt nach der normalen Ausbildung, so C-, B-Lizenz einfach Lust haben in den Leistungssport zu kommen. Unser Hauptproblem ist, wir kriegen anscheinend einfach zu wenig weibliche Trainerinnen dazu motiviert, in den Leistungssport einzusteigen und das auch professionell zu machen.
Lena : Woran könnte das denn liegen?
Marcus: Das ist eine gute Frage, ich glaube erst mal das Frauen wahrscheinlich ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben und als ich vor vielen Jahren entschieden habe: "Ich mach das hauptberuflich!", da gab es diese Option eigentlich noch gar nicht so richtig. Da haben Holger Hasse und ich als erste entschieden, das professionell zu machen. Mittlerweile gibt es ja so ungefähr 20 Stellen, früher waren das halt nur 2 oder 3. Das heißt, das hat sich schon super entwickelt und ich glaube, dass das 'komm wir probieren das mal' nicht gerade eine Tugend von Frauen ist, die haben alles ganz gerne ein bisschen sicherer. Das zweite ist, dass manchmal anscheinend das Selbstvertrauen oder der Ehrgeiz fehlt, denn wir haben sehr, sehr viele gute Trainerinnen im Nachwuchs, die dann vielleicht aber auch nicht den Mumm haben zu sagen: "Ich trau mir das zu und mach jetzt Bundestrainer" oder so was. Das scheint im Badminton allerdings ein deutsches Problem zu sein, weil im Ausland gibt es ganz viele weibliche Trainerinnen. Wir kriegen es einfach nur nicht hin und wenn ich die Lösung hätte, dann würde ich sie anbieten und es ändern, aber das sind so im Moment meine Ideen dazu.
Lena : Du, als Chef-Landestrainer, hättest du noch die Möglichkeit noch aufzusteigen, also höhere Positionen zu erreichen? Und willst du das überhaupt?
Marcus: Ja, ich war sieben oder acht Jahre Bundestrainer für U16/U17. Das war aber damals nicht hauptberuflich, sondern nur auf Honorarbasis und als Familienvater ist es schon ganz schön eine Hauptberuflichkeit zu haben, nicht nur Honorare. Ja, schauen wir mal. Mein Vertrag läuft bis zu Ende des Olympiazyklus und nach der Olympiade in London wird sich sicher auf der Trainerebene ganz viel verändern, viele Leute hören auf, viele Athleten steigen auf. Vielleicht kriegen wir neue Stellen, mal gucken, ich bin immer offen für interessante Arbeiten, ich möchte halt mit Spaß arbeiten und ein bisschen Geld dabei verdienen.
Lena : Arbeitet ihr jetzt nur unter euch oder arbeitet ihr auch mit Vereinen zusammen?
Marcus: Also, wir haben hier, in Mülheim, das Zentrum von NRW, wir haben aber natürlich nebenher auch noch vier U11-Stützpunkte und auch noch drei Landesleistungsstützpunkte, die es gibt, mit denen arbeiten wir natürlich zusammen. Also für die müssen wir ein bisschen die Orga machen, wir müssen mit denen ein bisschen kommunizieren, darüber, was man macht und darüber hinaus haben wir natürlich auch regen Austausch mit leistungsstarken Vereinen und leistungsstarken Vereinstrainern, weil wir natürlich die Verantwortung haben, für alle Kaderkinder. Wie du vorhin gesehen hast, haben wir 80 Leute bei uns in der Kaderförderung. Dazu kommen nochmal ganz schön viele U11er, das sind auch nochmal so 60-70-80 und alle muss man so ein bisschen steuern und lenken. Hier, das ist die tägliche Arbeit, die praktische, das ist das Telefonieren, E-Mails und da sein. Da haben wir auch viel Arbeit mit und wir sind natürlich Ansprechpartner für eigentlich jeden im NRW-Badminton: egal ob Spieler, Trainer oder Vereine, die sich eigentlich immer mit allen Fragen an uns wenden können und dies auch tun.
Lena :Habt ihr auch Firmen, die euch irgendwie sponsern oder unterstützen?
Marcus: Ja, klar, da gibt es ein paar in NRW. Yonex sicherlich sollte man erstmal vorneweg nehmen - die machen ganz viel mit uns. Aber wir haben viel der Finanzierung für Trainer vom Landessportbund bekommen und auch von der Sportstiftung NRW, das ist eine Gruppe, die sich glaube ich, vor sechs Jahren gebildet hat, nach Olympia, um in NRW den Spitzensport zu fördern. Da wir sehr gute Konzepte eingereicht haben, haben die die Finanzierung von Trainern übernommen, früher gab es einen Landestrainer, mittlerweile sind wir drei. Das haben wir viel denen zu verdanken, genauso wie hier, den tollen Hallenumbau, da steckt viel Geld drin aus öffentlichen Mitteln. DOSB, LSB und aus Sportstiftungen und da haben wir halt in den letzten Jahren im Vergleich zu vorher extrem viel Geld irgendwie bekommen und locker machen können. Das war allerdings auch extrem viel Arbeit. Das heißt dahinter stehen immer Stunden, Wochen, Tage, teils jahrelange Arbeit am Rechner um Konzepte einzureichen und Klinken zu putzen, um Geld zu bekommen und das hat eigentlich gut geklappt, muss man sagen.
Lena : Danke, für das Interview!
Marcus: Bitte.
Dann, um ca. 14.00 Uhr bis ca. 15.00 Uhr hat Marcus mich mit zu seinem Training genommen. Im Athletik-/Kraftraum hat er mir ein paar Übungen gezeigt und diese auch selbst gemacht. Um 15.00-16.00 Uhr gab Marcus dann den Internatskindern Athletiktraining. Von 16.00-17.00 Uhr gab Marcus ein Semi-Individualtraining bei Phillip Z. und bei Yannic W., der aber auf Grund einer Verletzung nicht mit trainierte. Deshalb durfte ich dann für Yannic einspringen und mit trainieren. Wir haben gemacht:
- Ballmaschine (mit Marcus)
- Joggen auf dem Laufband
Um 17.00 Uhr endete mein 'Arbeitstag' beim Badminton-Landesverband in Mülheim. Mir hat der Girls'Day in Mülheim sehr viel Spaß gemacht und ich würde so etwas gerne noch einmal machen.
















