Meine Tochter ist ... Auszubildende zur Werkzeugmechanikerin

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Veronika Hug ist Redakteurin und Buchautorin. Ihre 18-jährige Tochter hat über den Girls'Day zu ihrem heutigen Ausbildungsberuf als Werkzeugmechanikerin gefunden. Im September 2009 hat sie ihre Ausbildung begonnen. Frau Hug berichtet auch über ihre Rolle bei der Entscheidungsfindung ihrer Tochter und die besondere Problematik der Hauptschüler und Schülerinnen, die sich schon sehr früh um alles kümmern müssen und oft überfordert sind.

Wie haben Sie zum ersten Mal vom Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag gehört?

2006 im Frühjahr. Ich war Elternbeiratsvorsitzende der Grund- und Hauptschule in Appenweier. Als Inhaberin dieses Amtes war ich zu einer Podiumsdiskussion beim Landratsamt in Offenburg eingeladen. Dort gingen mir sozusagen „die Augen auf“, dass ich auch zu den Müttern gehöre, die ihren Töchtern nur typisch weibliche Berufe als Auswahl vorgeschlagen.

Wie kam es zu der Teilnahme Ihrer Tochter? Welche Rolle haben Sie als Eltern dabei übernommen?

Nach diesem Abend habe ich meine Tochter zum 1. Mal gefragt, ob sie sich auch einen technischen Beruf vorstellen könnte und sie war sofort interessiert. Wir haben uns dann noch im gleichen Frühjahr zum Girls`Day angemeldet. Die Anmeldung habe ich selber organisiert, da Julianes Schule zu dem Zeitpunkt noch nicht so weit war.

Inwiefern hat die Teilnahme am Girls’Day die Berufswünsche Ihrer Tochter verändert?

Nach diesem einen Tag war ihr klar, dass auch ein technischer Beruf für sie in Frage kommen könnte. In den darauf folgenden Pfingstferien hat sie dann freiwillig ein Praktikum als Werkzeugmechanikerin absolviert und danach war klar, dass sie sich in den Sommerferien um solch eine Stelle bewerben möchte.

Wie finden Sie als Mutter / als Vater den Girls'Day?

Natürlich finde ich nach dieser persönlichen Erfahrung diesen Tag als sehr wichtig. Weder Juliane noch ich wären ohne diese Einrichtung auf die Idee kommen, bei der Berufswahl in diese Richtung zu schauen.

Was bedeutet er Ihrer Meinung nach für Ihre Tochter?

Auf den Punkt gebracht, war er für Juliane die Veranstaltung, bei der sich ganz klar ein Berufswunsch eingestellt hat. Die Zeit davor hat sie die Fragen nach „was willst Du denn mal werden“ einfach nur unsicher mit einem Schulterzucken beantwortet mit „mal sehen“. Nach diesem Tag war klar „ich will Werkzeugmechanikerin werden“. Diese Wandlung beeindruckt mich bis heute.

Hat Ihre Tochter neben dem Girls'Day an weiteren Angeboten teilgenommen, die sie in ihrer Berufswahl unterstützten (z.B. durch die Schule oder die Agentur für Arbeit)? An welchen?

Sie war mit ihrer Schule auf der Berufsinformationsmesse in Offenburg. Diese Messe ist sehr informativ – aber wenn die Kinder von vornherein sich nur bei den typisch weiblichen Berufen erkundigen, kommen sie auf diesem Wege nicht an technische Berufe ran.

Hätten Sie sich darüber hinaus weitere Unterstützung für Ihre Tochter bei ihrer Berufswahl gewünscht? Welche?

Ich hätte mir gewünscht, dass von der Schule aus schon viel früher Elternabende stattfinden, in denen den Eltern klar gemacht wird, wie bald man sich bei einer Schülerin, einem Schüler, der die Hauptschule absolviert, um eine Lehrstelle kümmern muss. Vielen Eltern war das einfach nicht klar und ich denke, dass auch deshalb so viele Hauptschülerinnen und Hauptschüler ohne Lehrstelle sind, weil sie mit der Suche allein gelassen werden – und das kann ein Kind im Alter von kaum 14 Jahren einfach nicht alleine schaffen.

Die Berufswahl wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, z.B. durch die Lehrkräfte, die Medien und die Freundinnen/Freunde. Welchen Einfluss hatten Sie als Elternteil auf die Berufsfindung Ihrer Tochter?

Für Juliane hat in ihrer Schule Anfang der achten Klasse ein Praktikum absolviert – da war sie 13 ½ Jahre alt. Diesen Platz mussten wir schon ½ Jahr vorher gefunden habe. Das heißt, dass sie sich mit Ende 12 auf den Weg machen musste, einen Platz zu finden. Ganz ehrlich: Da ist es ein Leichtes als Eltern, die Kinder in eine bestimmte Richtung zu lenken, da sich in diesem Alter kaum ein konkreter Berufswunsch eingestellt hat.

Kam Ihre Tochter in der Familie mit Technik oder Naturwissenschaften bzw. entsprechenden Berufen in Berührung? (Beispielsweise durch Reparaturen im Haushalt oder durch Ihren Beruf?)

Ja, sie war immer diejenige, die am schnellsten wusste, wie irgendwas zu funktionieren hat. Als ich nach meiner Trennung mit den Kindern umgebaut habe, hat sie oft mitgeholfen. So hat sie z.B. ihr Zimmer überwiegend selbst renoviert (Teppichboden rausreißen, neu Tapezieren, Streichen)

Wann haben Sie erkannt, dass Ihre Tochter in diesem Bereich begabt ist? Haben Sie ihre Fähigkeiten gefördert?

Erst als ich mit dem Girls`Day konfrontiert wurde, wurde mir bewusst, dass Juliane zu Hause die Regale aufbaut ohne Gebrauchsanweisungen zu lesen und die Funktion von Maschinen erkennt, ohne dass man sie ihr erklärt. Oder dass sie sich in der Schule für Technik als Wahlfach entschieden hat mit der Bemerkung „Kochen kann ich zu Hause lernen“. Ihre Fähigkeiten haben wir nicht speziell gefördert – sie konnte sie lediglich im Alltag beim Umbau zu Hause einsetzen (siehe oben)

Wenn Sie sich daran erinnern, als Ihre Tochter zum ersten Mal äußerte, dass sie einen technischen Beruf ergreifen möchte: Wie war Ihre Reaktion? Hatten Sie zunächst Bedenken?

Nein – sie machte plötzlich einen solch sicheren Eindruck bei ihrer Berufswahl, dass sie mich einfach damit überzeugte!

Wie stehen Sie heute zu der Berufswahl Ihrer Tochter?

Ich bin einfach nur froh, dass Juliane diesen Beruf erlernt und es macht Spaß mitzuerleben, wie sie darin aufgeht. Von ihrem Ausbildungsleiter darf sie jedes Jahr auf die Berufsmesse gehen, um dort „Werbung“ für diesen Beruf als Mädchen zu machen.

Wie können Eltern ihre Tochter bei der Berufsorientierung unterstützen, auch in Hinblick auf Berufe, die für Frauen ungewöhnlich sind? Was empfehlen Sie anderen Eltern?

Ich glaube, dass sich alle Eltern einfach nur die Frage stellen sollten „kann ich mir meine Tochter in einem technischen Beruf vorstellen“. Schnell können sie dann von alleine feststellen, wie die Tochter im Alltag mit technischen Dingen umgeht. Es ist gar nicht so schwer zu erkennen, dass sich ein Mädchen auch für einen technischen Beruf eignet. Auf keinen Fall sollte man aber ein Kind dazu zwingen, sich in diese Richtung zu orientieren. Als weiblicher Azubi in einem überwiegend männlichen Ausbildungsberuf kann man seine Umgebung nur durch Leistung überzeugen.

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